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WM 2006

09.02.2010 | 16:28 Uhr

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Vor Ort - Im Südwesten

Einziger Iran-Fan am Bodensee

WM-Fieber verzweifelt gesucht

Von Miriam Klaussner

Vier Jahre hat Pouja, ein Iraner aus Dubai, gespart, um bei der WM ganz nah bei "seiner" Mannschaft zu sein. Doch von der sehnsüchtig erwarteten WM-Euphorie ist am Aufenthaltsort der Iraner in Friedrichshafen nichts zu spüren.

Iran-Fan Pouja; Rechte: SWR Bild groß Allein im WM-Fieber: Pouja

"Vielleicht sind die Deutschen ja doch nicht so 'crazy about football' wie ich immer dachte, zumindest nicht hier in Friedrichshafen." Pouja, der groß gewachsene junge Iraner aus Dubai, ist extra einmal um die halbe Welt geflogen, um bei einer WM dabei zu sein. Er wollte endlich einmal am eigenen Leib erfahren, was es heißt, vom WM-Fieber angesteckt zu werden. Genau so, wie es das riesige Plakat vor der Touristeninformation ankündigt: "Friedrichshafen im WM-Fieber" .

Doch von dieser Fußball-Euphorie hat der weit gereiste Iran-Fan in der Bodenseestadt noch nichts gespürt. "Ich meine, die Stadt ist wunderschön, die Eisdielen an der Promenade sind spitze, aber ich vermisse einfach iranische Fans, selbst deutsche Fans sehe ich nur wenige."

"Man merkt nicht, dass die WM stattfindet"

Margot Teufel von der Tourismusinformation findet auch, dass sich der Werbe-Slogan vor ihrem Bürofenster noch nicht bestätigt hat: "Die meisten Touristen, die zu uns an den Schalter kommen, sind nicht wegen den Iranern hier. Eigentlich merkt man hier gar nicht, dass die WM stattfindet." Auch nicht an den Buchungszahlen, denn die, so die Marketingfrau, seien ungefähr genauso hoch wie letztes Jahr um diese Zeit.

Ein paar hundert Meter weiter, an der Seepromenade, sitzt der Iran-Fan mit den auffällig blauen Augen mittlerweile unter einem roten Sonnenschirm im Eis-Café "Italia"; die Sonnenbrille lässig auf die Stirn gerückt. Um ihn herum: Fast nur weibliche Gäste. Inhaber Detoni Lino findet das, im Gegensatz zu Pouja, nicht so toll: "Seit die WM los ging haben wir weniger Gäste. Vor allem abends sind nur noch Frauen hier."

Wohnen bei den Spielern

Obwohl der einzige Fan, ist Pouja privilegiert: Er und sein Vater sind Gäste im Spielerhotel und können jederzeit locker an den Wachleuten vorbei spazieren. Die iranische Mannschaft sucht anders als viele andere WM-Teams den Kontakt zu den Fans. Das bringt Bernhard Weber, verantwortlich für den WM -Einsatz bei der Polizei Friedrichshafen, ins Schwitzen: "Neulich habe ich fünf Minuten vorher erfahren, dass das nicht-öffentliche Training auf einmal zum öffentlichen wurde."

Dass für die Iraner die höchste Sicherheitsstufe gilt, ist allerdings genau so wenig spürbar wie die WM-Euphorie. Pouja fährt jetzt erstmal zu den Spielen gegen Portugal und Angola. "Vielleicht finde ich in Frankfurt oder Leipzig bei den nächsten Spielen ja die 'football-crazy-people', die im WM -Fieber die ganze Nacht durchtanzen."

Stand: 17.06.2006, 22:39 Uhr

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