24 Jahre nach dem letzten Titelgewinn ist die Zeit für "Pelés Erben" gekommen. Durch ein 3:2 nach Elfmeterschießen gegen Italien holen sie den so lang ersehnten vierten WM-Cup. Die Kicker von der Copacabana tanzen, die Italiener weinen. Routinier Baresi, dank seiner Defensiv-Qualitäten eigentlich die "Lebensversicherung" der "Squadra Azurra", versagt im Elfmeterschießen genauso wie Weltfußballer Roberto Baggio, der den entscheidenden Strafstoß vergibt. Ausgerechnet die beiden besten Akteure Italiens sind die Pechvögel.
Glückspilze gibt es auch unter den deutschen Spielern nicht. "Im Grunde ist es völlig wurscht, mit welcher Taktik Berti Vogts spielen lässt. Das deutsche Team ist stark genug", orakelte "Kaiser" Franz Beckenbauer vor Turnierbeginn. Doch der Titelverteidiger, von einem in der öffentlichen Meinung als "überfordert" bezeichneten Bundestrainer betreut, spielt in der Vorrunde wie von allen guten Geistern verlassen. Das einzig "Denkwürdige" ist der obszön gestreckte Mittelfinger Stefan Effenbergs Richtung Publikum.
Vogts zieht nach der 1:2-Pleite seines Teams im Viertelfinale gegen Bulgarien gegen seine "Wohlstandsjünglinge", die auf "nichts mehr verzichten wollen", ins Feld. Die Rede ist von deprimierenden Zuständen innerhalb der Mannschaft und im Umgang miteinander. Neben einer gewissen geistigen Grundeinstellung fehlt es der deutschen Mannschaft zum Erstaunen der Fachwelt auch an einer modernen taktischen Ausrichtung mit der "Viererkette" – wie Jupp Heynckes nach dem Turnier feststellt.
Doch das sind Peanuts im Vergleich zu dem, was sich zehn Tage nach Kolumbiens 1:2-Vorrundenpleite gegen die USA ereignet. Andrés Escoabar steuert ein Eigentor zur Niederlage bei – ein tödlicher Fehler. Er wird daheim auf offener Straße mit zwölf Schüssen hingerichtet – angeblich auf Befehl des kolumbianischen Drogenkartells. Doch die WM geht weiter – wenngleich mit einem bitteren Beigeschmack. Und wer hätte gedacht, dass die Schweden ins Halbfinale einziehen? Die Skandinavier bezwingen im Viertelfinale die starken Rumänen mit 5:4 nach Elfmeterschießen. Für die Niederlande mit der wohl stärksten Mannschaft seit Cruyff & Co. ist ebenfalls in der Runde der letzten Acht Schluss – 2:3 nach tollem Kampf gegen die Brasilianer.
Ein Denkmal stößt sich derweil selbst vom Sockel. Schon im Achtelfinale verabschiedet sich Argentinien nach einem 2:3 gegen Rumänien. Superstar Maradona war zuvor durch die Dopingprobe gefallen, von der FIFA gesperrt und vom eigenen Verband ausgeschlossen worden. Wie so oft flüchtet er sich in Ausreden, entwickelt Verschwörungstheorien. Welch eine Tragödie! Der "Göttliche" hat nach einer Sperre wegen Kokain-Konsums und anschließender Entziehungskur gerade erst mühsam den Weg zurück in die internationale Spitze gefunden.
Kolumbiens Verteidiger Andrés Escobar steuerte bei der WM 1994 ein Eigentor zur 1:2-Vorrundenniederlage gegen die USA bei. Kurz nach der Heimreise wurde er in Medellin auf offener Straße mit zwölf Schüssen regelrecht hingerichtet. "Danke für das Eigentor", soll einer der Attentäter gerufen haben. Escobars Ermordung wird dem berüchtigten Medellin-Drogenkartell angelastet, das große Summen auf ein Weiterkommen Kolumbiens gesetzt haben soll.
| Mannschaft1 | Mannschaft2 | Ergebnis |
|---|---|---|
| Quelle: sport.ard.de | ||
Brasilien gegen |
Italien |
3 : 2 |
Schweden gegen |
Bulgarien |
4 : 0 |
Bulgarien gegen |
Italien |
1 : 2 |
Schweden gegen |
Brasilien |
0 : 1 |
Italien gegen |
Spanien |
2 : 1 |
Niederlande gegen |
Brasilien |
2 : 3 |
Bulgarien gegen |
Deutschland |
2 : 1 |
Rumänien gegen |
Schweden |
6 : 7 |
Nigeria gegen |
Italien |
1 : 2 |
Mexiko gegen |
Bulgarien |
2 : 4 |
Niederlande gegen |
Irland |
2 : 0 |
Brasilien gegen |
USA |
1 : 0 |
Saudi Arabien gegen |
Schweden |
1 : 3 |
Rumänien gegen |
Argentinien |
3 : 2 |
Deutschland gegen |
Belgien |
3 : 2 |
Spanien gegen |
Schweiz |
3 : 0 |
| Spiele | 52 |
|---|---|
| Tore gesamt | 141 |
| Toreschnitt | 2,71 |
| Platzverweise | 15 |
| Zuschauer gesamt | 3.568.567 |
| Zuschauerschnitt | 68.626 |
| Stadien | 9 |

"Striker", das offizielle Maskottchen der WM 1994