"I wer' narrisch", brüllt der beleibte Mann wieder und wieder ins Mikrofon. Österreichs Reporter-Legende Edi Finger ist auf seinem Stuhl im Stadion "Chateau Carreras" in Córdoba nicht mehr zu halten. Zwei Minuten vor Schluss der dritten und letzten Partie der DFB-Elf in der zweiten Finalrunde schießt der Wiener Hans Krankl den Weltmeister aus allen Titel-(Verteidigungs-)Träumen. Aus deutscher Sicht ist es "die Schmach von Córdoba", aus österreichischer "das Wunder von Córdoba".
Nach dem 2:3 gegen Österreich kann Deutschland vorzeitig die Heimreise antreten. Allerdings wäre die deutsche Elf selbst bei einem hohen Sieg über den Nachbarn auf ein Unentschieden der Italiener und Holländer angewiesen gewesen. Nichtsdestotrotz rächt sich eine große deutsche Boulevardzeitung an Torschütze Krankl - mit der Veröffentlichung seiner privaten Telefonnummer. Bei dem steht das Telefon daraufhin nicht mehr still. Unter den ebenso zahlreichen wie geschmacklosen Anrufen sind sogar etliche Morddrohungen.
Die WM im von der Militärdiktatur geknechteten Argentinien ist von Beginn an nicht das Turnier der Deutschen. Die Mitfavoritenrolle des Titelverteidigers bekommt schon nach der Vorrunde deutliche Risse. Im Auftaktspiel gegen Polen gibt es ein mageres 0:0. Bundestrainer Schön stellt die Mannschaft um. Es folgt ein fulminantes 6:0 über Mexiko, ehe Tunesien die Deutschen beim 0:0 an den Rand einer Niederlage und des Ausscheidens bringt. Die Stimmung im bundesdeutschen Lager ist mies. Der Verzicht auf Franz Beckenbauer, dessen Wechsel zu Cosmos New York DFB-Präsident Herrmann Neuberger erzürnt, wirkt sich fatal aus.
Dennoch steht die deutsche Elf in der Zwischenrunde. Als Erfolg feiern die Spieler die Abwehrschlacht beim 0:0 gegen die überlegenen Italiener. In der Neuauflage des 74er-Endspiels dann erzielen Abramczik und Dieter Müller die Tore gegen die Niederlande. Haan und van de Kerkhof egalisieren aber beide Male die Führung des DFB-Teams.
So sind es wieder die Niederlande, die nach 1974 zum zweiten Mal den Sprung ins Finale schaffen. Doch das Endspiel gewinnt Gastgeber Argentinien mit einem 3:1 nach Verlängerung. Mario Kempes trifft zwei Mal, wird mit insgesamt sechs Toren Top-Scorer dieser WM und beschert seinem Volk in jenen schweren Junta-Zeiten Momente der Glückseligkeit. Argentinien, trainiert vom kettenrauchenden César Luis Menotti, ist zum ersten Mal Fußball-Weltmeister.
Zivilcourage bewies Argentiniens WM-Trainer Menotti, erklärter Gegner der Militärdiktatur in seinem Land. Nach dem Titelgewinn 1978 im eigenen Land weigerte er sich, Junta-Chef General Jorge Videla öffentlich die Hand zu geben und den Pokal anzunehmen. Stattdessen verpasste er dem Diktator verbal eine Ohrfeige: "Meine talentierten, klugen Spieler haben die Diktatur der Taktik und den Terror der Systeme besiegt."
| Mannschaft1 | Mannschaft2 | Ergebnis |
|---|---|---|
| Quelle: sport.ard.de | ||
Argentinien gegen |
Niederlande |
3 : 1 |
Brasilien gegen |
Italien |
2 : 1 |
Brasilien gegen |
Polen |
3 : 1 |
Argentinien gegen |
Peru |
6 : 0 |
Polen gegen |
Peru |
1 : 0 |
Argentinien gegen |
Brasilien |
0 : 0 |
Brasilien gegen |
Peru |
3 : 0 |
Argentinien gegen |
Polen |
2 : 0 |
Niederlande gegen |
Italien |
2 : 1 |
Österreich gegen |
Deutschland |
3 : 2 |
Niederlande gegen |
Deutschland |
2 : 2 |
Italien gegen |
Österreich |
1 : 0 |
Italien gegen |
Deutschland |
0 : 0 |
Niederlande gegen |
Österreich |
5 : 1 |
| Spiele | 38 |
|---|---|
| Tore gesamt | 102 |
| Toreschnitt | 2,68 |
| Platzverweise | 3 |
| Zuschauer gesamt | 1.610.215 |
| Zuschauerschnitt | 42.374 |
| Stadien | 6 |

"Gauchito", das Maskottchen der WM