Niemand ist für die Teilnahme an der WM so durch die Hölle
gegangen wie die Schweiz. Zweimal hatten sie in der Qualifikation
den Franzosen ein Remis abgetrotzt, 13 Spiele in Folge nicht
verloren, ehe die Playoffs gegen die Türkei anstanden.
Nach dem 2:0 im Hinspiel, das deutlich höher hätte enden können,
folgte die unsägliche Schlacht im Rückspiel. Geschlagen wurden die
Schweizer zunächst auf dem Platz, 4:2, doch das machte nichts, dank
der beiden Auswärtstore war die Teilnahme in Deutschland gesichert.
Die Tumulte im Kabinengang mit entrüsteten türkischen Spielern
und Fuktionären waren schlimmer, doch am Ende thronte das
WM-Comeback nach zwölf Jahren über allem.
Als Prügelknaben wollen sich die Schützlinge von Köbi Kuhn bei der
WM nicht hergeben. Und es spricht auch wenig dafür, dass dies
so kommen wird. Kuhn hat eine junge, technisch und taktisch
hervorragende Mannschaft zusammen, die hohes Tempo gehen kann und
im Ausland geschätzt wird: 18 Spieler des A-Kaders sind außerhalb
des Alpenlandes angestellt, insgesamt verdienen mehr als 60
Schweizer ihr Geld als Fußball-Legionär.
Die Eidgenossen haben das, was Jürgen Klinsmann und Oliver Bierhoff
mit Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters dem DFB implantieren
wollten: Eine exzellent fuktionierende Nachwuchsarbeit, die
Top-Talente wie Tranquillo Barnetta (Leverkusen) oder Philippe
Senderos (Arsenal) oder Valon Behrami (Lazio Rom) am Fließband
hervorbringt und von einer einheitlichen Philosophie getragen wird:
"Konstruktives, offensives und gepflegtes Passspiel", erklärt
Verbands-Chef Hansruedi Hasler. "Mit besonderem Augenmerk auf dem
ersten Ball, dem auslösenden Zuspiel aus der eigenen Abwehrzone
heraus."
Perfekt umgesetzt wird dieser Grundsatz vom Milan-Strategen Johan
Vogel, oft abgeschlossen von Alexander Frei oder Marco Streller.
Hasler ist guter Dinge: "Wir streben das Achtelfinale an", sagt er.
"Und dann sehen wir weiter."