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19.03.2010 | 01:30 Uhr
Francesco Totti verwandelt Elfmeter in der Nachspielzeit
Von Christian Hornung
Mit einem Elfmeter in der Nachspielzeit hat sich Italien doch noch das Viertelfinale gesichert. Francesco Totti schoss das 1:0-Siegtor gegen Australien, als sich die 46.000 Zuschauer in Kaiserslautern schon mit einer Verlängerung abgefunden hatten.
Rat- und erfolglos: Alessandro Del Piero (r.) und Alberto Gilardino im ersten Durchgang
Tottis Volltreffer war ein Fußball-Märchen, dass Azzurri-Trainer Marcello Lippi beinahe verhindert hätte. Er hatte das nationale Idol, das nach seinem Fußbruch erst kurz vor dem Turnier fit geworden war, erstmals aus der Startaufstellung verbannt. Dafür bekam Edel-Reservist Alessandro Del Piero eine Bewährungschance, die der Turiner beinahe schon in der 3. Minute genutzt hätte. Doch Luca Toni köpfte die Maßflanke des Turiners knapp am rechten Pfosten vorbei. Obwohl die Australier recht forsch begannen, hatten nur die Europäer klare Möglichkeiten. Nach einer knappen Viertelstunde warf sich Scott Chipperfield in den Schuss von Alberto Gilardino, kurz danach fand der Milan-Stürmer seinen Meister in Australiens Torhüter Mark Schwarzer.
Der Keeper, der für den gegen Kroatien völlig überforderten Zeljko Kalac zwischen die Pfosten zurückgekehrt war, hatte auch in der Folgezeit alle Hände voll zu tun. Die Australier hingegen schafften es erst nach einer halben Stunde, auch einmal die Fähigkeiten von Gianluigi Buffon zu testen. Scott Chipperfield zog nach einem Eckball aus dem Gewühl heraus ab, doch im Nachfassen bereinigte der Torhüter die Situation. Danach stand wieder nur Schwarzer im Blickpunkt, der mit einer glänzenden Fußabwehr Tonis Drehschuss über die Latte lenkte. Erneut Toni (34.) und Gilardino (40.) scheiterten ebenfalls aus aussichtsreicher Situation, doch die Australier retteten das 0:0 mit Glück und Geschick in die Pause.
Daneben gegriffen: Luis Cantalejo zeigt Marco Materazzi Rot.
Während Gilardino nach seinen vergebenen Möglichkeiten in der Kabine bleiben musste und durch Vincenzo Iaquinta ersetzt wurde, durfte Toni sein Glück weiter versuchen. Doch der zweite Durchgang begann erstmal, wie der erste aufgehört hatte. Der Florentiner Torjäger kam frei zum Schuss, zielte aber zu hoch. In der 50. Minute begann dann ein neues Spiel: Italien war plötzlich nur noch zu zehnt. Für ein vergleichsweise harmloses Foul von Marco Materazzi an Marco Bresciano zog Schiedsrichter Luis Cantalejo die Rote Karte - offenbar noch unter dem Eindruck der Portugal-Holland-Schlacht, in der Wladimir Iwanow es verpasst hatte, für Ruhe zu sorgen.
Für das ohnehin auf nicht gerade berauschendem Niveau stehenden Spiel war diese Entscheidung Gift. Italien rührte nun den ganz harten Beton an, Lippi nahm Stürmer Toni raus und brachte Manndecker Andrea Barzagli. Chancen gab es daraufhin kaum noch, nach knapp einer Stunde musste Buffon noch einmal per Faustabwehr gegen Chipperfield klären, viel mehr passierte nicht. Zehn Minuten vor Schluss hatte Tim Cahill per Kopf den ersten "Matchball", doch er platzierte den Ball ein paar Zentimeter zu hoch. Die Italiener beschränkten sich in dieser Phase nur noch auf ihre Abwehrarbeit, auch die Einwechslung von Totti für den fast unsichtbaren Del Piero fiel kaum weiter auf.
In der Schlussphase setzte Guus Hiddink dann noch einmal auf Risiko, brachte Angreifer John Aloisi für Mile Sterjovski. Doch der Schuss ging nach hinten los. Drei Minuten vor dem Abpfiff hatte Iaquinta schon die Riesenchance für Italien, doch er traf fünf Meter vor dem Tor den Ball nicht richtig. Ganz genau traf dann Totti die Kugel vom Elfmeterpunkt. Fabio Grosso hatte den Strafstoß in der dritten Minute der Nachspielzeit gegen den ungeschickten Lucas Neill herausgeschunden, als eigentlich die Verlängerung schon gebucht war.
"Wir waren doch die bessere Mannschaft!", haderte der geschlagene Torwart Mark Schwarzer nach dem Abpfiff. "Aber wir haben einfach das Tor nicht geschossen. Das war heute unser großes Problem." Wesentlich besser gelaunt kommentierte Sieger-Coach Marcello Lippi den Spielausgang: "Es ist eine unglaubliche Freude, ich bin überglücklich. Dieses Spiel hatte alles, was ein Spiel haben kann. Für Totti war dieses Tor sehr, sehr wichtig, aber ich hatte keine Angst auszuscheiden. Wir haben nur sehr wenige Chancen zugelassen, Australien hat aber großartig gekämpft."
Stand: 26.06.2006, 18:55 Uhr
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