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11.03.2010 | 09.31 Uhr

Allgemein

Interview mit Ines Geipel

"Es gibt keine wirkliche Konsequenz"

Ex-Sprinterin Ines Geipel gehörte zu den Vertretern der DDR-Dopingopfer, die sich am Dienstag (30.06.09) in Berlin mit DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach und Generaldirektor Michael Vesper trafen. Dabei ging es neben konkreten Einzelpunkten wie eine Rente für die Geschädigten auch um den allgemeinen Umgang mit der Thematik der Dopingopfer und die Entwicklung gemeinsamer Ziele. sport.ARD.de sprach mit Geipel, die als Schrifstellerin und Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst in Berlin arbeitet, über das Treffen und die Perspektiven.

Wie war Ihr Eindruck vom Treffen mit der DOSB-Spitze?

Ines Geipel: "Das Wichtige war, dass dieses Gespräch endlich zustande kam, nachdem es zuletzt eine längere Kommunikationspause gab. Den Eindruck den ich dabei hatte, war, dass dadurch, dass konkrete Geschichten der Anwesenden auf den Tisch kamen, Herrn Bach und Herrn Vesper dieses Thema viel eindrücklicher geworden ist. Ich denke, es ist schon klar geworden, dass man über das Thema Dopingopfer nicht einfach hinwegsprechen kann. Bei all den Themen, die angesprochen wurden, war das für mich der emotionale Kern und Wert des Treffens."

Also könnte dem Treffen eine Art Eisbrecher-Funktion zukommen?

Geipel: "Das muss natürlich die nähere Zukunft zeigen. Was das in der Politik bedeutet und wie nachhaltig das Treffen ist, vermag ich heute nicht zu sagen. Es war zweifellos gut und wichtig, dass diese Zusammenkunft stattgefunden hat, aber die Nagelprobe steht noch aus."

Ex-Hammerwerfer Bernd Richter sagte, man habe einen weiteren Arbeitsplan entwickelt. Wie sieht der aus?

Geipel: "Möglichst bald soll es im DOSB eine konkrete Ansprechperson zum Thema Dopingopfer in der DDR geben, die den ganzen Themenkatalog verarbeiten kann, zum Beispiel welche Informationen an die Steiner-Kommission (Doping-Kommission des DOSB, Anm. d. Red.) unter gehen, die sich mit der Aufarbeitung der Trainer-Problematik beschäftigt."

Ein zentrales Thema war eben diese Diskussion um die Leichtathletik-Trainer, die sich zu System-Doping bekannt und entschuldigt haben und weiter im DLV arbeiten. Welche Bewegung hat es da gegeben?

Geipel: "Wir sind da sehr straight geblieben. Wir haben noch einmal unseren Standpunkt klargemacht, dass diese geständigen Trainer doch zumindest nicht mehr Bundestrainer sein können. Mein Eindruck ist, dass die Steiner-Kommission die Waschtrommel ist, aus der am Ende dann alle sauber herauskommen. Herr Bach und Herr Vesper haben allerdings klargemacht, dass es keine Pauschal-Amnestie gibt und die Einzelfälle genau geprüft werden. Mein Gefühl war, dass der DOSB mit der Handhabung auch nicht ganz glücklich ist, aber es auch um politische und juristische Detailfragen geht, so dass ein Umgang damit sehr komplex ist."

Wieso tut sich der DOSB mit einer klaren Positionierung so schwer?

Geipel:
"Es geht neben den Inhalten auch um Arbeitsrecht und Geld. Wenn man das bis in die Landesverbände durchbuchstabiert, kommen wenigstens 300 Trainer dabei heraus. Das große Problem ist doch, dass die meisten Leute nach der strafrechtlichen Aufarbeitung im Jahr 2001 wieder zurück in den Osten und die dortige Struktur sind. Diese Leute haben ihr Sport- und Menschenbild nicht geändert. Das Klima dort ist fast wie früher."

Ein Punkt war auch eine Rente für Dopingopfer. Wie weit sind Sie da gekommen?

Geipel: "Darüber haben wir nach meinem Empfinden sehr positiv gesprochen. Aber ich habe auch deutlich gemacht, dass wir über den Punkt hinwegkommen müssen, wo man vielleicht nur zumacht, weil man Angst vor den Ansprüchen der Opfer hat. Für uns ist es sehr wichtig, dass die Schicksale realisiert werden und man sagt: Ja, das ist geschehen. Im Sportausschuss, wo auf einmal wieder von vermeintlichen Opfern gesprochen wurde, standen ja ganz andere Töne im Raum."

Was konnten Sie an Konkretem mit aus dem Gespräch nehmen?

Geipel: "Es war schon klar, dass die Bundestagswahlen jetzt erst einmal anstehen und einige Dinge, wie zum Beispiel eben die Rente, erst nach der Wahl konkret angegangen werden können. Aber wir werden alle diese Punkt vorbereiten, auch zum Beispiel ein Präventionskonzept, das dann mit dem noch zu benennenden Ansprechpartner im DOSB durchgearbeitet wird."

Ines Geipel (r.); Rechte: imago

Als Sprinterin in der DDR gehörte Geipel (r.) zur Weltspitze.

Ingesamt scheint das Thema langwierig. 2005 haben Sie die Streichung Ihres Namens aus der DLV-Rekordliste beantragt. Stattdessen steht dort jetzt ein Sternchen und der Hinweis, dass manche Rekorde unter dem Einfluss von Doping zustande gekommen sein könnten. Wie gehen Sie damit rückblickend um?

Geipel: "Man sieht, wie diese Themen eigentlich geschreddert werden. Es gibt in dieser ganzen Thematik um die Dopingopfer der DDR nicht eine wirkliche Konsequenz. Das ist in der Trainerfrage ganz genauso. Werner Goldmann (Bundestrainer Kugelstoßen, Anm. d. Red.) hat nachweislich gelogen, sogar gegenüber Herrn Vesper. Aber selbst da gibt es nicht die Denkweise: Ok, hier ziehen wir jetzt mal die Reißleine. Bei den Rekorden sieht das ganz genauso aus. Man könnte das konsequenter und ohne juristische Auseinandersetzung lösen. Aber das passiert nicht."

Sie klingen insgesamt nicht sehr optimistisch.

Geipel: "Man muss halt mal gucken, wie es weitergeht. Es war gut, dass sich Herr Bach und Herr Vesper Zeit und Raum für das Thema genommen haben. Aber ob das nur ein weiteres Gespräch war oder ein Wendepunkt der Sportpolitik, das kann ich überhaupt nicht sagen."

Das Gespräch führte Dirk Burkhardt.

Stand: 01.07.2009, 12:53

 

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