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Pferdesport
Verschärfte Kontrollen beim Reitturnier in Aachen
CHIO im Schatten der Doping-Diskussion
Von Katja Goebel
Dopingfund bei einem Dressurpferd, Auflösung der Nationalkader, gesperrte Springstars - was bedeuten die Skandale für internationale Turniere wie den CHIO und wie geht es mit den Reitern weiter?
Wenige Tage erst standen die deutschen Reiter fest, die beim CHIOum den Nationenpreis kämpfen sollten, da platzt eine Dopingmeldung in die Vorfreude auf das große Aachener Reitturnier. Das Pferd der fünfmaligen Olympiasiegerin Isabell Werth ist in der A-Probe positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazine getestet worden. Die Reiterin aus Rheine gestand bei einer Anhörung des Weltverbandes FEI, dass ihr Pferd wegen der "Zitterkrankheit" mit dem Wirkstoff Fluphenazin behandelt worden ist. Werth bleibt daher gesperrt und darf beim CHIO nicht starten.
Springreiter unter Verdacht
Der neuerliche Vorfall ist der Höhepunkt einer ganzen Serie von Zwischenfällen im Pferdesport. Springstar Ludger Beerbaum gab erst im Mai 2009 ein heikles Zeitungsinterview und äußerte sich dabei auch zu Dopingvorwürfen im Springsport. "Erlaubt ist, was nicht gefunden wird", kommentierte er seine Haltung in Sachen Pferdebehandlung und sorgte für einen entrüsteten Aufschrei in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).
Die FN löste daraufhin kurzerhand sämtliche Kader der olympischen Reitdisziplinen auf. Ludger Beerbaum wurde suspendiert und darf vorläufig nicht an Nationenpreisen teilnehmen. Ebenso wie sein gesperrter Kollege Christian Ahlmann, dem eine Chilischote zum Verhängnis wurde: Aus der war nämlich die verbotene Salbe auf dem Bein seines Pferdes, als er in Hongkong bei den Olympischen Spielen antrat. Die Folge: Zwei Jahre Sperre für das Nationalteam.
Mehr Kontrollen auf großen Turnieren
Mit Carsten Otto und Newcomer Philipp Weishaupt gehen für den Nationenpreis beim CHIO nun zwei Springreiter an den Start, die noch Anfang Mai wohl kaum einer auf der Liste hatte.
Trotz Suspendierung und Sperre kann man jedoch auch Ahlmann und Beerbaum auf Meisterschaften oder internationalen Turnieren wie dem CHIO starten sehen. Der Grund: Nur bei Mannschaftsaufstellungen hat die FN die Nominierungshoheit. In Einzelwettbewerben können sich die Reiter durch Platzierungen und Weltranglistenpunkte qualifizieren. Es sei denn, auch der Internationale Reitverband hätte sie gesperrt.
Auf dem Turnierplatz in Aachen hat man in Absprache mit der FN in diesem Jahr die Dopingkontrollen verschärft. In allen weltrangrelevanten Prüfungen werden von den drei Erstplatzierten und einem zufällig ausgewählten Pferd Proben genommen. Außerdem sollen Thermographie-Kameras zum Einsatz kommen, die die Oberflächentemperatur der Pferdehaut messen und Hinweise auf äußere Einwirkung geben können. Eine 24-Stunden-Überwachung der Ställe und der Einsatz von über 70 kontrollierenden Stewards soll Dopingsünder abschrecken.
78 Reiter müssen vor die Kommission
Und wie geht es mit den Reitern weiter? Eine unabhängige Untersuchungskommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOBS) wird dies ab Mitte Juli 2009 klären. Bevor ein Reiter wieder in den Kader aufgenommen wird, muss er sich den Fragen der Sonderkommission stellen und sich zu Einstellung und Verhalten als Spitzenreiter äußern. Insgesamt 78 Reiter werden laut FN diese Prüfung durchlaufen. Mit dabei seien nicht nur die Besten, sondern auch die B-Kader der drei Disziplinen.
Pikanterweise hatte ausgerechnet Isabell Werth das Verfahren kritisiert und sich gegen eine generelle Unterstellung gewehrt, dass im Pferdesport in allen Disziplinen manipuliert werde. Soenke Lauterbach, Generalsekretär der FN, sieht sich bei der Kaderauflösung in allen Disziplinen nun erst recht bestätigt. "Das zeigt uns, dass überall dort, wo es um Macht, Geld und Erfolg geht, auch Manipulation betrieben wird", sagte er gegenüber dem WDR. Sollte Werth wegen Dopings verurteilt werden, droht ihr eine Sperre bis zu zwei Jahren.
Ergebnisse frühestens im August
Die FN hat die Befragung an externe Experten abgegeben, da auch der Verband selbst sich der Kommission stellen muss. "Funktionäre, Tierärzte oder Pfleger können vor die Kommission geladen werden", so FN-Sprecher Peiler. In der Kommission sitzt neben dem ehemaliger Verfassungsrichter Udo Steiner, der sich durch die Befragung von DDR-Trainern einen Namen gemacht hat, auch der Bonner Jurist Heinz Faßbender, der häufig über Dopingfälle im Rennsport zu urteilen hatte sowie der Tiermediziner Erich Klug.
Am Ende aber wird die Kommission nur Empfehlungen aussprechen können. Die letzte Entscheidung liegt dann wieder bei der FN. Erste Ergebnisse werden frühestens Mitte August erwartet. Dann wird es auch höchste Zeit, denn schließlich müssen mindestens zwei neue Nationalteams spätestens bis zum 25. August 2009 feststehen. Dann nämlich finden im königlichen Schlosspark zu Windsor die Europameisterschaften im Springen und in der Dressur statt.
Stand: 25.06.2009, 10:24
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