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18.03.2010 | 05.35 Uhr

Pferdesport

Talent für Reitsport von den Eltern geerbt

Ahlmann - das große Talent

Von Olaf Jansen

Christian Ahlmann galt lange Zeit als "größte deutsche Hoffnung" im Springreiten. Schon als 14-Jähriger war der Westfale internationale Spitze. Das Talent bekam er in die Wiege gelegt. sport.ARD.de blickt zurück.

Capsaicin. So heißt der Stoff, der Christian Ahlmann in der Pferdewelt zu Fall gebracht hat. Wenige Stunden vor Beginn des Einzelwettkampfes bei den Olympischen Spielen wurden er und sein Pferd Cöster ausgeschlossen, weil man den verbotenen Stoff im Blut des Tieres gefunden hatte. Ahlmann betonte Wochen später bei einer Pressekonferenz, dass er zwar den Rücken, auf keinen Fall jedoch die Beine seines Pferdes mit Capsaicin-haltigem Equi-Block eingerieben habe. Doch der Verdacht bleibt: Capsaicin fördert nicht nur die Durchblutung, sondern kann auch hypersensibilisieren. Auf die Beine aufgetragen, könnte es dafür sorgen, dass die Pferde beim Abwerfen einer Hindernisstange starke Schmerzen empfinden und besonders vorsichtig werden. "Ich war gutgläubig der Meinung, dass die Verwendung dieser Salbe keine unerlaubte Medikation darstellt", sagte Ahlmann.

Größte deutsche Hoffnung

Doch egal, wie die Dopingaffäre letztlich ausgehen wird, wie lange Ahlmann gesperrt bleiben wird - auf dem aktuell wohl talentiertesten deutschen Springreiter lastet nun ein Schatten, den er wohl niemals wieder wird abstreifen können. Dabei galt der "Mädchenschwarm", wie ihn die "Stuttgarter Zeitung" einmal bezeichnete, unter Experten als größte deutsche Hoffnung im Springsport. Das sportliche Potenzial wurde dem Westfalen schon genetisch in die Wiege gelegt, denn sein Vater Georg "Schorsch" Ahlmann war als Springreiter erfolgreich bis hin zu Nationenpreisen. Auch seine Mutter Hildegard Ahlmann ist gewissermaßen hippologisch geprägt, denn sie entstammt der Familie Rohmann. Ihr Vater Heinrich Rohmann ist ebenfalls bekannt als Pferdemann durch und durch. Er hat viele Talente entdeckt - sowohl Pferde als auch Reiter - und auch Georg Ahlmann nahm hier seine ersten Reitstunden.

Mit 14 schon Spitze

Als Elfjähriger wurde Christian Ahlmanns Interesse an den Pferden geweckt. Er nahm erste Reitstunden - ebenso wie viele Jahre zuvor sein Vater - bei Heinrich Rohmann. Und dann nahm eine rasante Karriere ihren Lauf: Ahlmann nahm Abschied von seiner bis dato favorisierten Sportart Fußball und konzentrierte sich ganz auf den Reitsport. Nur ein Jahr nach den ersten Reitversuchen gewann er sein erstes S-Springen. Als 14-jähriger war er der jüngste Reiter aller Zeiten, der mit dem Goldenen Reitabzeichen ausgezeichnet wurde.

Den Durchbruch in die Weltklasse hatte er allerdings keinem Menschen, sondern einem Pferd zu verdanken: Cöster. Ahlmann hatte den Schimmel schon länger beobachtet und konnte seine Gönnerin, Trabrennstallbesitzerin Marion Jauß im Jahr 2002 davon überzeugen, das Pferd zu kaufen. Von einem auf den anderen Tag hatte Ahlmann ein "Siegerpferd" unter dem Sattel, wie er selbst einmal formulierte. "Er macht nie Probleme. Und schlechte Seiten hat Cöster einfach keine", lobte Ahlmann sein neues Pferd über den grünen Klee. Cöster dankte seinem Reiter für das Lob mit sportlichen Erfolgen: Nach einer schlechten Teamleistung im Vorjahr, wurde Ahlmann 2003 in das deutsche Nationalteam für die Europameisterschaft in Donaueschingen geholt. Und der Youngster hielt, was man sich von ihm versprach: Er holte mit dem Team die Goldmedaille. Doch damit nicht genug: Mit Cöster düpierte er die versammelte Prominenz und Ludger Beerbaum - und holte sich sensationell den Titel im Einzelwettbewerb. Fortan war Ahlmann aus der deutschen National-Equipe nicht mehr wegzudenken.

"Ohne Ahlmann nicht vorstellbar"

Christian Ahlmann; Rechte: dpa

Ahlmann privat - ein Pferdefreund

Ahlmann, der seine Ausbildung zum Pferdefachwirt unter den legendären Fritz Ligges und Paul Schockemöhle absolvierte, galt zwar jahrelang als trainingsfaul, gleichzeitig aber "enorm ehrgeizig und zielstrebig bei Wettkämpfen. "Er hat keine Nerven, sein Naturell ist das eines Siegers", urteilte Fritz Ligges, als sein Schützling 1990 erstmals Deutscher Meister der Junioren wurde. Der Whisky-Sammler und leidenschaftliche Skatspieler machte die erwartete Karriere, bevor er bei Olympia nun vom Sockel gestoßen wurde. Seither gibt sich der Sonnyboy wortkarg, ja: beleidigt. Er wolle nie mehr für Deutschland starten, ließ er jüngst verkünden, Kontakt zu einem Verband in Vorderasien werden ihm nachgesagt. "Ein deutsches Nationalteam ohne Christian Ahlmann ist nicht vorstellbar", sagt Kollege Ludger Beerbaum dazu. Und Ahlmann? Der schweigt erst einmal.

Stand: 17.11.2008, 08:00

 

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