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Hockey
Aufsteiger Rot-Weiß Köln ist Meisterschaftsfavorit
Respekt statt Neid
Die Hockey-Herren des Clubs an der Alster sind eine sehr erfolgreiche Mannschaft. Im Frühjahr 2008 wurden die Hamburger zum zweiten Mal in Folge Deutscher Meister auf dem Feld. Doch in dieser Saison sind die Norddeutschen nicht unbedingt Titelfavorit. Heißer Meisterschaftsanwärter ist Rot-Weiß Köln - ein Aufsteiger.
Die Kölner wurden im vergangenen Jahr souverän Zweitliga-Meister und setzen ihre Erfolgsserie im Hockey-Oberhaus nun nahtlos fort. Nach vier Siegen in vier Spielen stehen sie an der Tabellenspitze. Auch der Club an der Alster hatte gegen Rot-Weiß schon das Nachsehen. Gleich am ersten Spieltag hieß es 2:6 gegen die Kölner.
Das liegt daran, dass mit Christopher und Philipp Zeller, Timo und Benjamin Wess, Tibor Weißenborn, Max Weinhold und Tobias Hauke sieben Olympiasieger im Kader der Kölner stehen. Die spielten abgesehen von Hauke auch schon im vergangenen Jahr bei Rot-Weiß - in der Zweiten Liga. Doch wie konnte Köln ein halbes Dutzend Nationalspieler in die Domstadt locken? Das war ganz einfach. Der Klub bietet den Spielern eine berufliche Förderung, die genau auf ihre persönlichen Belange zugeschnitten ist. So können sie Leistungssport und Studium unter einen Hut bekommen und haben auf dem Arbeitsmarkt später erstklassige Aussichten.
Berufliche Ausbildung ist den Spielern wichtig
Die Idee zu diesem "Kölner Konzept" hatten Rechtsanwalt Stefan Seitz und Tobias Warweg, zwei ehemalige Hockey-Akteure der Rot-Weißen. Christopher Zeller beispielsweise arbeitet in der Kanzlei von Seitz. Dort kann er neben dem Studium berufliche Erfahrungen sammeln, wird beim Examen unterstützt, und sein Arbeitgeber drückt ein Auge zu, wenn Zeller auf dem Platz steht, statt am Schreibtisch zu sitzen. "Das ist perfekt. Besser kann man es sich nicht wünschen", sagt der Stürmer.
Dafür wechselte er sogar in die Zweite Liga und verzichtete auf viel Geld. Genau wie sein Bruder Philipp und Tibor Weißenborn stand der gebürtige Münchner zuvor beim niederländischen Meister HC Bloemendaal unter Vertrag. Dort wurde er für Hockey-Verhältnisse fürstlich entlohnt. Doch seine berufliche Ausbildung war Zeller wichtiger. Der revanchiert sich mit Treffern. Auch jetzt steht er wieder an der Spitze der Torjägerliste. Nicht wenige befürchten nun, dass Köln auch in der Bundesliga einen Durchmarsch hinlegt und nicht zu schlagen ist.
Köln konsequenter als Hamburg
Jo Mahn, Trainer beim Club an der Alster, nennt die Rot-Weißen "eine enorme Ansammlung außerordentlicher Spieler." Das sagt er ganz gelassen und ohne Neid. "Die Jungs müssen Beruf und Sport vereinbaren. Köln trägt dem Rechnung", sagt Mahn. Er weiß, dass man mit Hockey nicht reich werden kann. Wer nach dem Karriere-Ende ohne Job dasteht, hat schlechte Karten.
"In Hamburg haben wir das Anfang der 90er Jahre auch schon mal versucht, den Spielern statt Geld berufliche Perspektiven zu bieten. Damals kamen deshalb einige sehr gute Akteure zu uns", erinnert sich Mahn. Doch dabei sei es damals geblieben. "Köln hat diesen Weg nun sehr konsequent beschritten", sagt der Hamburger. Den Rot-Weißen zollt er Respekt, und das "Kölner Konzept" ist ihm sympathischer als das "Mannheimer". "Mannheim lockt Spieler mit viel Geld. Da steht ein großer Sponsor hinter", sagt Mahn.
"Davon profitieren alle Vereine"
Auch aus Krefeld ist kein böses Wort über den Konkurrenten aus Köln zu hören. "Das Konzept ist sehr professionell und muss Vorbild für andere Klubs sein", sagt Robert Haake, Teammanager des Crefelder HTC. "Wenn Köln jetzt einen Stein ins Rollen bringt, der dem Hockey mehr Aufmerksamkeit und mehr Zuschauer beschert, kann das nur gut sein. Dann profitieren alle Vereine", sagt Haacke. Sieben Olympiasieger - das sieht der Krefelder als sportliche Herausforderung. Am Freitag (26.10.08) tritt er mit seinem Team in der Domstadt an. "Ich freue mich auf dieses Derby. Wir fahren nach Köln, um dort zu gewinnen", erklärt er selbstbewusst.
Auch für Jo Mahn ist nicht aller Tage Abend. "Die Mannschaft wird einen Durchmarsch hinlegen, doch dann kommen die Playoffs und die Endrunde. In einem Endspiel ist jedes Team zu schlagen", sagt der Hamburger. Vielleicht gibt es für den Titelverteidiger von der Alster ja dann am Ende doch noch etwas zu feiern.
Stand: 26.09.2008, 08:00
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