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09.02.2010 | 17.56 Uhr

Allgemein

Nach Schöneborns Olympia-Gold im Fünfkampf

Chance für eine Randsportart

Die Goldmedaille von Lena Schöneborn im Modernen Fünfkampf gehörte bei den Olympischen Spielen zu den Überraschungen aus deutscher Sicht. Kim Raisner, mit Schöneborn 2005 Team-Weltmeisterin und heute Bundestrainerin, spricht mit sport.ARD.de über Schöneborns Sieg in Peking und die Möglichkeiten, die sich für ihren Sport daraus ergeben.

Inwiefern konnten Sie nach dem Olympia-Trubel schon zur Ruhe kommen?

Kim Raisner: "Bei uns geht es nahtlos weiter. Ich muss mir Gedanken über die Zukunft machen, Jugendliche haben Wettkämpfe, die Saisonplanung 2009 steht an. Da gibt es genug zu tun. Auch für die Athleten geht es weiter. Am 11. und 12. September stehen in Potsdam die Deutschen Meisterschaften an, danach kommt noch das Weltcup-Finale."

Gibt es in puncto Medien und Sponsoren schon eine höhere Aufmerksamkeit?

Raisner: "Das wird sich hauptsächlich auf Lena Schöneborn als Olympiasiegerin konzentrieren und ich hoffe, dass sich für sie und damit auch unseren Sport innerhalb der nächsten zwei Wochen etwas tut, bevor die Aufmerksamkeit nach Olympia wieder abklingt."

Was könnte langfristig für den Sport bleiben?

Raisner: "Das hängt auch von den Erfolgen ab. Wir haben ja jedes Jahr Europa- und Weltmeisterschaften, aber gerade in unserer Sportart ist es sehr schwer, konstant an der Spitze zu stehen. Man muss nur in einer Disziplin nicht so die Tagesform haben und schon kommt man für die Top-Plätze nicht mehr in Frage. Selbst Lena Schöneborn ist bei der WM 2008 ja "nur" Sechste geworden."

Das hört sich so an, als würde für den Modernen Fünfkampf einiges von der Entwicklung von Lena Schöneborn abhängen ...

Raisner: "Das ist aktuell und in der Außenwahrnehmung sicherlich auch so. Aber wir haben auch bei den Männern gute Athleten und zusätzlich auch noch einige junge Sportler, die in den nächsten Jahren bestimmt gute Leistungen bringen werden. Bei internationalen Erfolgen könnte dann die Aufmerksamkeit für die Sportart insgesamt größer werden."

Wie wird Lena Schöneborn mit diesem neuen Druck klarkommen?

Raisner: "Bisher ist sie mit Leistungsdruck sehr gut klar gekommen, hat sich auch aus einem Tief wieder herausgearbeitet. Sie hat klare Vorstellungen und hohe Ansprüche an sich - höhere wahrscheinlich, als sie von außen kommen."

Lena Schöneborn bei der Rückkehr; Rechte: dpa

Am 25.08. kehrte Schöneborn nach Deutschland zurück.

Erklären Sie einem Außenstehenden bitte den Reiz des Modernen Fünfkampfs.

Raisner: "Der liegt in der Vielseitigkeit. Es gibt unterschiedliche Disziplinen mit unterschiedlichen Ansprüchen. Man braucht mal Ausdauer, mal Geschicklichkeit, mal Schnelligkeit oder auch mal Gefühl - und das alles will dann auch entsprechend trainiert sein."

Das klingt nach großem Zeit- und Geldaufwand.

Raisner: "Natürlich reicht es nicht, dass man bei fünf Disziplinen jede einmal trainiert. Man muss schon fünf, sechs Mal die Woche laufen, vier Mal schwimmen, sonst wird man nicht gut und es bleibt beim Breitensport. Die Sportler, die das betreiben, müssen schon eine Menge Freizeit opfern, sich gut organisieren. Das ist wie in anderen Amateursportarten auch. Es braucht viel Herzblut."

Was fehlt der Sportart, um für Zuschauer oder auch medial interessant zu sein?

Raisner: "Viel dreht sich um Information. Moderner Fünfkampf ist für den Zuschauer anstrengender als andere Sportarten. Nicht nur, weil man vielleicht ein paar hundert Meter zwischen den Wettkampfstätten zurücklegen, sondern auch weil man die Wertung und einzelne Athleten im Auge behalten muss."

Wie reagieren die Verbände darauf?

Raisner: "Das passiert auf mehreren Ebenen. Bei der WM 2007 in Berlin gab es ein Rahmenprogramm, das die Zuschauer neben den Wettkämpfen den ganzen Tag begleitet hat. So ein Event kostet natürlich Geld, hat der Stimmung aber gut getan. Das andere sind Regeländerungen. Zurzeit wird zum Beispiel getestet, ob man das Laufen und Schießen in einem Wettbewerb vereinen kann."

Was halten Sie davon?

Raisner: "Ich könnte mir vorstellen, dass es funktioniert, aber es muss im richtigen Modus passieren und professionell ausgetragen werden. Aber es kann auch nach hinten losgehen. Was ist, wenn die Änderungen den Top-Athleten nicht liegen und die den Sport verlassen? Außerdem muss so etwas technisch einwandfrei funktionieren. Luftpistolen sind extrem windanfällig. Dann landen die Schüsse einmal statt auf der letzten auf der ersten Scheibe und der Zuschauer oder die Medien denken: Hey, was ist das denn für ein Kinderzirkus? Und dann ist die Sportart ganz verloren."

Das Gespräch führte Dirk Burkhardt.

Stand: 27.08.2008, 13:02

 

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