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09.02.2010 | 20.13 Uhr

Volleyball

Olympia-Qualifikation der Volleyballerinnen

Mit Erfahrung durch das Nadelöhr

Von Michael Ostermann

Acht Top-Teams streiten sich ab Dienstag (15.01.07) in Halle/Westfalen um einen Startplatz bei den Olympischen Spielen in Peking. Die deutschen Volleyballerinnen wollen vor heimischem Publikum zum dritten Mal in Folge das Qualifikations-Turnier gewinnen. Dafür hat Bundestrainer Giovanni Guidetti Erfahrung ins Team zurückgeholt.

Volleyballerin Angelina Grün; Rechte: dpa

"Olympia ist das Größte." Volleyballerin Angelina Grün

Das Gänsehautgefühl hat sich Angelina Grün in den letzten Wochen noch mal in Erinnerung gerufen. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen hat sich die Spielführerin der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft die alten Fotos von den Olympischen Spielen in Sydney und Athen angesehen. "Olympia ist das Größte, was es gibt", schwärmt die 28-Jährige. "Auch, wenn es vielleicht nicht das bestbesetzte Turnier ist." Die größere sportliche Herausforderung wartet in der Tat schon vorher. Denn der Weg nach Peking führt durch ein Nadelöhr. Acht europäische Spitzenmannschaften streiten sich in dieser Woche in Halle/Westfalen um ein einziges Olympia-Ticket. Nur der Turniersieger ist im Sommer in China dabei.

Rückkehr aus dem Referendariat

"Für ein solches Turnier brauchst du Erfahrung", sagt Bundestrainer Giovanni Guidetti, der allerdings verletzungsbedingt auf die routinierte Libera Kerstin Tzscherlich verzichten muss. Dafür hat er mit Tanja Hart und Hanka Pachale zwei Spielerinnen zurück in den Kreis der DVV-Auswahl geholt, die das Kapitel Nationalmannschaft längst ad acta gelegt hatten. Zuspielerin Hart beendete ihre internationale Karriere im vergangenen Sommer nach der WM in Japan. Nicht ohne Guidetti aufzufordern, sie anzurufen, sollten ihm vier Wochen vor Olympia seine beiden Zuspielerinnen ausfallen.

Nun hat sich der Bundestrainer schon sieben Monate früher gemeldet, obwohl die 33-Jährige seit einem halben Jahr überhaupt nicht mehr gespielt hat, weil sie sich ganz auf ihr Referendariat an einer Realschule konzentriert. Fit gehalten hat sie sich als Stand-by-Spielerin beim VC Wiesbaden. "Tanja ist ein alter Hase und wird das Pritschen nicht verlernt haben", sagt Angelina Grün. "Wir sind jetzt auf jeder Position gut besetzt."

Weniger Fehler

Das gilt auch für die Position im Außenangriff, wo Hanka Pachale nach mehr als sechs Jahren Abstinenz in der Nationalmannschaft in Halle erstmals wieder mitwirken wird. Ihr letztes Turnier für den DVV spielte sie bei der EM 2001 und kehrte der Auswahl anschließend wegen Querelen mit dem Verband den Rücken. Pachale mache ihn "noch verrückt", klagte DVV-Präsident Werner von Moltke damals. Guidetti, seit 2006 Bundestrainer, interessieren die alten Geschichten nicht und so holt er die 31-Jährige, die seit 1998 in Italien als Profi aktiv ist, ohne Rücksicht auf von Moltkes geistige Gesundheit zurück. "Wir können sie gut gebrauchen, deshalb habe ich sie gefragt", sagt Guidetti.

Der Bundestrainer weiß, dass seine Mannschaft etwa mit den Weltmeisterinnen aus Russland, auf die das DVV-Team in Halle im Halbfinale oder im Endspiel treffen könnte, in puncto Angriff nicht auf Augenhöhe ist. Dennoch glaubt er, dass seine Mannschaft sich wird durchsetzen können. "Wir müssen das akzeptieren und mit anderen Mitteln gewinnen", sagt Guidetti. "Man muss weniger Fehler machen, die bessere Taktik und einen starken Mittelblock haben." Vor allem die ersten beiden Bedingungen soll mit der geballten Routine von Hart und Pachale (beide bringen es zusammen auf 316 Länderspiele) erfüllt werden.

Große Kulisse

Volleyball-Bundestrainer Giovanni Guidetti ; Rechte: dpa

"Man muss weniger Fehler machen." Volleyball-Bundestrainer Giovanni Guidetti

Zwei Wochen hatte das Team Zeit sich einzuspielen und auf die Auftaktpartie gegen die Türkei vorzubereiten. "Das ist natürlich zu wenig", klagt Guidetti, lobt aber den konditionellen Zustand, in dem seine Spielerin aus ihren Klubs zur Nationalmannschaft angereist sind. Die weiteren Gruppengegner sind am Mittwoch (16.01.08) der EM-Vierte Polen und am Freitag (18.01.08) die Niederlande.

Die deutschen Frauen hoffen bei ihren Partien auf eine ähnliche Kulisse wie beim DVV-Pokalfinale, wo im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Zuschauer für eine grandiose Atmosphäre sorgten. Insgesamt werden rund 30.000 Zuschauer an den sechs Tagen in Halle erwartet. Ein Vorgeschmack auf die noch größere Kulisse in Peking. Und für den Fall, dass es den Volleyballerinnen zum vierten Mal in Folge gelingt, durch das vorolympische Nadelöhr zu schlüpfen, hat Angelina Grün schon einen Wunsch auf neuerliche Gänsehaut formuliert: "Diesmal will ich unbedingt bei der Eröffnungsfeier einlaufen."

Stand: 14.01.2008, 08:30

 

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