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09.02.2010 | 19.21 Uhr

Hockey

Sechs Nationalspieler beim Hockey-Klub Rot-Weiß Köln

Weltmeister in Liga zwei

Von Frank van der Velden

Man stelle sich einmal vor, die Fußball-Profis Michael Ballack, Miroslav Klose, Torsten Frings und Bernd Schneider wechselten zum 1. FC Kaiserslautern oder zum TSV 1860 München in die Zweite Liga.

Was im Fußball undenkbar wäre, ist im Hockey Realität geworden. Zweitligist Rot-Weiß Köln hat sich für die kommende Saison, die am Samstag (15.09.07) beginnt, sechs Nationalspieler geangelt. Prominentester Zugang ist Christopher Zeller, Star und Torschützenkönig der Weltmeisterschaft 2006 und der derzeit wohl beste Stürmer der Welt. Mit Nationalmannschafts-Kapitän Timo Weß und Mittelfeld-As Tibor Weißenborn wechseln zwei weitere Weltmeister in die Domstadt. Zudem sicherten sich die Kölner die Dienste von Philipp Zeller, Benjamin Weß und Torwart Max Weinhold.

Doch wie haben die Rot-Weißen das gemacht? "Wir bieten allen Spielern eine berufliche Förderung, die genau auf ihre persönlichen Belange zugeschnitten ist. So können sie Leistungssport und Studium unter einen Hut bekommen und haben auf dem Arbeitsmarkt später erstklassige Aussichten", sagt der Kölner Rechtsanwalt Stefan Seitz.

Für jeden Spieler einen "Paten"

Studiert in Köln: Timo Weß; Rechte: ddp Lupe groß

Studiert in Köln: Timo Weß

Und das ist den Spielern sehr wichtig: "Wir sind keine Profis, wir können nicht eingleisig fahren und uns nur auf den Sport konzentrieren. Wir müssen zwei Sachen gleichzeitig hinkriegen. Und da hat man in Köln einen Weg für uns gefunden. Deshalb sind wir gewechselt", erklärt Timo Weß, der vom Europapokalsieger Crefelder HTC kommt.

Die Idee dazu kam Seitz bei der Weltmeisterschaft in Mönchengladbach. Dort war er von der Nationalmannschaft hellauf begeistert. "Ich habe mir damals in den Kopf gesetzt, ein paar von denen nach Köln zu holen", erinnert sich Seitz, der früher selbst für die Rot-Weißen aktiv war. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Mitstreiter Tobias Warweg entwickelte er ein Konzept. Dank ihrer guten Kontakte zu zahlreichen Unternehmen schafften es die beiden Ex-Profis, für jeden der sechs Wunschspieler einen "Paten" zu finden. Und die mussten dann gar nicht lange über das Angebot nachdenken.

Zeller: "Das ist perfekt"

Beispiel Christopher Zeller: Der 22-Jährige arbeitet künftig in der Kanzlei von Seitz. Dort kann er neben dem Studium erste berufliche Erfahrungen machen, wird beim Examen unterstützt, und sein Arbeitgeber drückt ein Auge zu, wenn Zeller auf dem Platz steht, statt am Schreibtisch zu sitzen. "Das ist perfekt. Besser kann man es sich nicht wünschen", sagt der Stürmer.

Dafür wechselt er sogar in die Zweite Liga und verzichtet auf viel Geld. Genau wie sein Bruder Philipp und Tibor Weißenborn stand der gebürtige Münchner beim niederländischen Meister HC Bloemendaal unter Vertrag. Dort brachte er es zum Torschützenkönig und wurde für Hockey-Verhältnisse fürstlich entlohnt. Doch seine berufliche Ausbildung war Zeller wichtiger.

Seitz: "Auch im Beruf erfolgreich"

Kommt auch aus Bloemendaal: Tibor Weißenborn ; Rechte: dpa Lupe groß

Kommt auch aus Bloemendaal: Tibor Weißenborn

Doch wird aus einem guten Hockey-Spieler auch ein guter Anwalt? Seitz ist sich sicher, dass die Spieler ihre "Paten" nicht enttäuschen werden. "Wir haben sehr viele persönliche Gespräche geführt. Die Sechs werden auch im Beruf erfolgreich sein", sagt der Wirtschaftsanwalt: "Christopher Zeller zum Beispiel ist ein ganz bescheidener und bodenständiger Typ."

Bundestrainer Markus Weise hat mit dem sportlichen Abstieg des Sextetts übrigens kein Problem. Denn das findet schließlich am Olympiastützpunkt Köln ideale Bedingungen. Und insgeheim gehen alle davon aus, dass die Rot-Weißen souverän in die Bundesliga marschieren. "Ein Jahr Zweite Liga - da müssen wir jetzt halt durch", sagt Timo Weß. Er nimmt es mit Humor: "Ich bin noch nie aufgestiegen", sagt er.

Stand: 13.09.2007, 08:00

 

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