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Hockey
Krisenbewältigung bei den deutschen Hockey-Herren
Das Malheur von Manchester und die Folgen
Von Jens Mickler
Nach dem Malheur von Manchester lachte zumindest für Timo Weß schon wieder die Sonne. Einen Tag nach der Niederlage im Spiel um Platz drei bei der Hockey-EM in England meldete sich der Mannschaftskapitän von der Ferieninsel Ibiza.
Mannschaftskapitän Timo Weß
Timo Weß traf dort die Mannschaftskameraden vom Crefelder HC, die für den Triumph im Europacup eine Woche Urlaub genießen. "Das ist für mich natürlich optimal, um abzuschalten", sagte Weß zu sport.ARD.de. Nicht allen Teamkollegen wird die Frustbewältigung allerdings so leicht gemacht wie Weß. Zu schwer wiegt die schmerzhafteste Niederlage der deutschen Hockey-Nationalmannschaft seit Jahren, die mit der verpassten Direkt-Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 einhergeht. Noch nie hatte ein DHB -Team bei einer Europameisterschaft das Podium verpasst und das nicht einmal ein Jahr nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft im eigenen Land.
Arroganz und Hosen voll
Während Timo Weß viele Ursachen für das Versagen anführte, aber nicht ins Detail gehen wollte, war man an der Führungsspitze schon mit den Aufräumarbeiten nach dem Malheur von Manchester beschäftigt. "Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß", meinte DHB-Präsident Stephan Abel. Der Verbandsboss beließ es in seiner Analyse bei schonenden Worten, im Gegensatz zu Bundestrainer Markus Weise. "Gegen den amtierenden Weltmeister will natürlich jeder gewinnen. Da sind die Gegner noch motivierter als sonst", sagte Abel zu sport.ARD.de. Weises Wortwahl war schon deutlicher. Von Arroganz und Hosen voll sprach der Bundestrainer und erklärte: "Vielleicht ist es fehlendes Können, wenn man in Drucksituationen die Leistung nicht bringt." Es war wohl die bitterste Erkenntnis des EM-Turniers, dass die deutsche Mannschaft, mit immerhin 14 Weltmeistern im Aufgebot, nervliche Schwächen offenbarte und es in den entscheidenden Momenten an Selbstvertrauen vermissen ließ.
Abel glaubt nicht an Crone
Hockey-Präsident Stephan Abel
Dass es nach dem Rücktritt der Routiniers wie Philipp Crone und Björn Emmerling an fehlender Hierachie im deutschen Team liegen könnte, sei nicht ganz von der Hand zu weisen. "Sicher hätte bei dem entscheidenden Spiel gegen Belgien ein Antreiber gefehlt, der von allen akzeptiert und respektiert wird. Im wichtigen Duell gegen England haben Timo Weß und Philipp Zeller aber exzellent organisiert", meinte Abel. An ein Comeback des Abwehr-Routiniers Philipp Crone, das Bundestrainer Weise in Erwägung zieht, glaubt Abel nicht. "Er ist gerade dabei seine berufliche Zukunft zu zementieren. Eine Doppelbelastung Beruf und Nationalmannschaft lässt sich nicht vereinbaren."
Völlig neue Planung
Zumal auf die Nationalspieler nun ein erheblicher Mehraufwand zukommt. "Unsere Planung ist jetzt natürlich erst einmal über den Haufen geworfen. Wir müssen nun die Bundesligaplanung neu machen", sagte Abel. Die Nationalmannschaftstermine engen den Jahresplan der Spieler nun mehr ein als gedacht. Zu den Champions Trophys in Lahore/Pakistan und Rotterdam (2008), kommt nun das Ausscheidungsturnier in Japan im März. Die Nationalspieler werden daher in der Hallensaison nicht für ihre Klubs spielen. "Wir haben sicherlich ein halbes Jahr verloren", sagt Timo Weß. Studium und Ausbildung müssten nun erst einmal hinten anstehen. Schließlich will man die letzte verbleibende Chance nutzen, doch noch das Olympiaticket zu lösen.
Keine Zweifel an Weise
Dass dann auch noch Markus Weise als Bundestrainer fungieren wird, steht für DHB-Präsident Stephan Abel außer Frage. "Die Art und Weise, wie Markus die Mannschaft trainiert, ist begeisternd. Die Mannschaft hat sich positiv verändert, sie hat an individueller Klasse gewonnen", so Abel. Das hätten auch außenstehende Experten bestätigt. Zweifel lässt der Präsident an seinem Bundestrainer also genausowenig aufkommen wie an der Mannschaft. Stephan Abel: "Die Olympischen Spiele sind unser Ziel. Dieses Ziel werden wir erreichen."
mit dpa | Stand: 27.08.2007, 11:26
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