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09.02.2010 | 18.33 Uhr

Radsport

Ein Jahr Sperre wegen Dopingvergehen

Milde Strafe für Kronzeugen Jaksche

"Kronzeuge" Jörg Jaksche ist nach seinem Doping-Geständnis von Österreichs Radsport-Verband für ein Jahr gesperrt worden und darf schon im Juli 2008 wieder Rennen fahren.

Beim Urtreilsspruch für Jaksche wurde berücksichtigt, dass der Ansbacher zuvor umfassend über die Dopingpraxis im Radsport ausgepackt und sich als Kronzeuge zur Verfügung gestellt hatte. Der Anti-Doping-Ausschuss des Österreichischen Radsportverbandes sperrte den Ansbacher Profi wegen des Gebrauchs von EPO und Wachstumshormonen sowie wegen Blutdopings für ein Jahr und folgte damit den Vorstellungen der Jaksche-Verteidigung.

"Ich akzeptiere das Urteil. Es war im Großen und Ganzen wegen der Kronzeugenregelung zu erwarten. Es ist ganz gut", sagte Jaksche nach dem Urteilsspruch. Nur bezüglich des Anrechnungszeitraums gebe es "Diskrepanzen", sagte Jaksche. Die Sperre läuft rückwirkend bis zum 2. Juli 2008 und sei wegen der "Kronzeugenregelung" relativ gering ausgefallen, sagte der Ausschussvorsitzende Gernot Schaar am Mittwoch (19.09.07) in Wien. Normalerweise werden überführte Doping-Sünder für zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen.

Tour-Teilnahme möglich

Das dreiköpfige Gremium in Wien war für den Fall zuständig, da Jaksche wegen seines Tiroler Wohnsitzes mit österreichischer Lizenz fährt. Nun kann Jaksche, der nach seinem Doping-Geständnis ohne Team ist, sogar auf die Teilnahme an der kommenden Tour de France hoffen, die am 5. Juli 2008 in Brest beginnt.

Geständnis mit weiteren Details

Der 31-Jährige hatte Ende Juni in einer umfangreichen Beichte im Nachrichtenmagazin "Spiegel" zugegeben, seit 1997 jahrelang gedopt zu haben und das Doping-Problem als flächendeckend im Radsport beschrieben. "Es ist pervers, aber das Doping-System ist gerecht, weil alle dopen. Radsport ohne Doping ist nur gerecht, wenn wirklich niemand mehr dopt", hatte Jaksche gesagt. Die Details des Interviews habe Jaksche im Wesentlichen wiedergegeben, "nur noch detaillierter", sagte Schaar der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Strafmaß halbiert

In Wien wurde - wie von Jaksche und seinem Anwalt Michael Lehner erhofft - die im Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA vorgesehene Kronzeugenregelung angewandt. Diese ermöglicht eine Halbierung des drohenden Strafmaßes von zwei Jahren. Mitte Juni 2007 hatte der italienische Verband bei Ivan Basso diese Regelung abgelehnt und den Giro-Sieger von 2006 mit der Maximalsperre von zwei Jahren belegt, da er nur ein lückenhaftes Teilgeständnis abgelegt hatte. Im Fall Jaksche muss noch der Weltverband UCI entscheiden, ob er das Urteil anerkennt. "Wenn die UCI eine offizielle Mitteilung erhält, wird sie die Sache prüfen und entscheiden, ob sie das Urteil akzeptiert", sagte UCI-Sprecher Enrico Carpani der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Das Geständnis von Jaksche hatte den Radsport in seinen Grundfesten erschüttert. Der Arztsohn aus Franken hatte im "Spiegel" schwere Vorwürfe gegen die UCI erhoben und die heutigen Teamchefs Bjarne Riis (CSC), Gianluigi Stanga (Milram) sowie den früheren Telekom-Manager Walter Godefroot zumindest der Mitwisserschaft beschuldigt. Kurz vor der Tour de Suisse im Juni 1997 habe er zum ersten Mal EPO gespritzt, sagte Jaksche, der auch mit dem Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zusammenarbeitete und die Existenz von ihm gelagerter Blutbeutel bestätigte. Von 2005 an habe er sich verbotenen Eigenbluttherapien unterzogen. Bis zu seinem Geständnis fuhr Jaksche für das italienisch-russische Zweitliga-Team Tinkoff.

Stand: 19.09.2007, 18:50

 

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