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09.02.2010 | 19.19 Uhr

Leichtathletik

Auf dem Sprung nach Peking

Ein politisches Ausrufezeichen

Deutschland ist Stabhochspringerland - und große Ereignisse werfen ihre großen Schatten voraus. In unserer Serie berichten vier deutsche Top-Athleten über ihren Weg zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking: 6-Meter-Überflieger Danny Ecker, Enfant terrible Lars Börgeling, Underdog Björn Otto und Newcomer Fabian Schulze. Im 16. Teil sinniert Lars Börgeling über das Für und Wider eines Olympia-Boykotts.

Von Lars Börgeling

Denke ich an Peking, denke ich vordergründig an Olympische Spiele und deren sportliche Bedeutung. Für mich ist es der Saisonhöhepunkt der letzten Jahre - seit Athen. Ein enorm hoher Stellenwert. Da bereitet man sich ein ganzes Jahr lang darauf vor und dann gibts vielleicht so eine Situation wie für die Amerikaner in Moskau oder umgekehrt für die Russen in Los Angeles. Mein Traum ist es, in meiner Karriere an drei Olympischen Spielen teilzunehmen. Das setzt zum einen voraus, dass ich mich qualifiziere und dass mir zum anderen die Möglichkeit gegeben wird, in Peking dabei zu sein.

An den Rattenschwanz der Missstände denke ich erst in zweiter Hinsicht. Als Sportler bin ich natürlich gegen einen Olympia-Boykott. Aber auch nicht ohne Vorbehalte. Als Privatperson hätte ich Verständnis dafür. Man muss abwarten, wie sich die Situation in Tibet weiter entwickelt. Ich möchte ruhigen Gewissens nach China reisen können und mit meiner Teilnahme nicht unbedingt ein propagandistisches System unterstützen. Man muss ja nicht gleich die Spiele boykottieren - seinem politischen Unmut kann man ja auch anders Ausdruck verleihen.

IOC in der Verantwortlichkeit

Denn die Spiele sind immer auch ein Stück weit ein Politikum. Man muss sich überlegen, wofür stehen sie eigentlich? Die Sache ist ein Widerspruch in sich: Olympia soll für Frieden und Völkerverständigung stehen und dann dürfen die Chinesen die Olympischen Spiele ausrichten. Ich sehe die Verantwortung bei den Funktionären vom IOC, die sich der Problematik schon bewusst waren, als sie sich für Peking entschieden haben. Sie haben so etwas Wichtiges wie die Spiele einem Land gegeben, von dem man weiß, das es die Menschenrechte mit Füßen tritt, wo es keine Pressefreiheit gibt, in dem staatlich kontrollierte Medien Propaganda senden. Man sollte sich in Zukunft vielleicht schon im Vorfeld ein Stück weit kritischer mit eventuellen Problemen auseinander setzen.

Die Olympische Charta des IOC sagt aus, dass die Spiele eben kein Politikum sein sollen und droht Sportlern mit Disqualifikation, wenn sie die Spiele als politische Bühne nutzen. Wir sollten aber die Möglichkeit haben, ein Zeichen setzen zu dürfen, wenn man nicht damit einverstanden ist, was in Tibet passiert. Ohne Sanktionen befürchten zu müssen.

Teamarbeit statt Einzelprotest

Ich halte es für angebracht, wenn die deutsche Mannschaft geschlossen ein politisches Ausrufezeichen setzt. Einzelaktionen, bei denen Lars Börgeling ein T-Shirt mit der Aufschrift "Free Tibet" trägt, gehen unter. Das sollten die Verbände untereinander koordinieren, um zum Beispiel auf Pressekonferenzen auf das Thema aufmerksam zu machen. Der Sport hat eine große gesellschaftliche Verantwortung und damit auch eine gewisse politische Verantwortung. Sportler stehen nun mal im Rampenlicht der Öffentlichkeit und dieser Rolle sollte man sich bewusst sein und dementsprechend handeln. Als selbstbewusster Sportler sollte man konkret Stellung beziehen und Missstände anprangern dürfen und auch müssen.

Aufgezeichnet von Michaela Rose.

Stand: 02.04.2008, 08:53

 

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