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Leichtathletik
Auf dem Sprung nach Peking
Fader Beigeschmack des Spitzensports
Deutschland ist Stabhochspringerland - und große Ereignisse werfen ihre großen Schatten voraus. In unserer Serie berichten vier deutsche Top-Athleten über ihren Weg zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking: 6-Meter-Überflieger Danny Ecker, Enfant terrible Lars Börgeling, Underdog Björn Otto und Newcomer Fabian Schulze. Im zehnten Teil denkt Lars Börgeling über Doping in der Leichtathletik und die beteiligten Strukturen hinter den Athleten und Athletinnen nach.
Von Lars Börgeling
Nach all dem, was ich in der letzten Zeit über Doping gelesen und gehört habe, denke ich, dass ich in den letzten Jahren ziemlich naiv und blauäugig durch die Welt des Profisports gelaufen bin. Da gehen Leute mit einem gewissen kriminellen Ehrgeiz ran, den ich mir so hätte gar nicht vorstellen können. Bei den Radsportlern standen jährliche Summen zwischen 30.000 und 60.000 Euro für Dopingmittel im Raum. Für einen Jan Ullrich ist das vielleicht nicht 'ne Menge Geld, aber für einen Lars Börgeling mit Sicherheit. Man muss sich aber bewusst sein, dass das sicherlich nicht nur ein Problem im Radsport ist. Vielleicht ist es da nur einen Tick professioneller betrieben worden als anderswo.
Netzwerk von professionellen Betrügern
Wo viel Geld im Leistungssport verdient werden kann, wird auch betrogen. Ein Sportler, der erfolgreich betrügen will, ist dazu alleine nicht in der Lage. Da stehen wohl eher Leute dahinter, die sich mit dem System auskennen. Kein Weltmeister wird Medikamente in irgendeiner Internet-Apotheke bestellen und sich reinziehen. Das passiert unter ärztlicher Aufsicht und ist von langer Hand geplant. Die haben Labors, wo gegengecheckt wird, ob jemand im Moment sauber ist und gefahrlos bei Wettkämpfen starten kann. So etwas passiert nicht irgendwo in einem dunklen Hinterzimmer.
Vielleicht funktioniert das so: Ein Manager erkennt das Talent eines Athleten, der noch ein Nobody ist. Der hat das nötige Netzwerk im Hintergrund und investiert vier Jahre lang 100.000 Dollar. Springt ein Weltrekord dabei raus, ist dieser Manager mit 50 Prozent an den Einnahmen beteiligt. Das ist meine reine Phantasie, aber inzwischen halte ich es nicht mehr für abwegig. Es wäre naiv anzunehmen, dass die Leichtathletik sauber wäre. Oft werden kleine Fische erwischt, die nur zweitklassig sind oder aus ärmlicheren Ländern stammen. Und das mit Mitteln, die kein Leichtathlet mit Verstand heute noch nehmen würde. Aber die wirklich spektakulären Fälle kriegt man nicht. Mal ganz vorsichtig formuliert: Es gehört schon sehr viel Naivität dazu, zu glauben, dass in einem Olympischen 100 Meter-Finale, in dem reihenweise Zeiten deutlich unter 10 Sekunden gelaufen werden, alle Athleten sauber sind.
Das wundersame Schrauben an der Wettkampfform
Im Stabhochsprung bringt Doping sicherlich weniger als in anderen Disziplinen, in denen es um reine Schnelligkeit, Ausdauer oder Kraft geht. Stabhochspringen ist eben sehr komplex und auch technisch orientiert. Aber durch EPO oder anabole Steroide könnte man schneller regenerieren und die Kraftwerte steigern. Statt fünf hochintensiver Trainingseinheiten kann man dann vielleicht zehn absolvieren. Statt zwanzig Sprüngen auf Wettkampfniveau sind dann eventuell sechzig pro Woche drin. Indirekt ist man also in der Lage, auch die technischen Fähigkeiten zu verbessern, weil man öfter und härter trainieren kann.
Manchmal springen Konkurrenten anfangs der Saison grottenschlecht, sind dann ein paar Wochen wie vom Erdboden verschwunden und tauchen zwei Wochen vor einer Weltmeisterschaft wie ausgewechselt wieder auf. Es kommt einem eigenartig vor, wie sehr manch einer innerhalb eines Monats an seiner Form schrauben kann - zumal man weiß, wie man selber trainiert. Da hat man dann schon manchmal einen faden Beigeschmack. Ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken. Dann würde mir mein Sport keinen Spaß mehr machen.
Aufgezeichnet von Michaela Rose
Stand: 20.09.2007, 08:00
Dienstag, 09.02.2010
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Sonntag, 14.02.2010
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