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09.02.2010 | 19.40 Uhr

Bundesliga

HSV Hamburg schon Meisterschaftskandidat?

Wandel im Zeitraffer

Von Mathias Deppisch

Der HSV Hamburg gehört in der Handball-Bundesliga zu den ärgsten Verfolgern des großen Favoriten THW Kiel. Wie aus einem Skandalklub ein Meisterschaftsanwärter wurde.

Martin Schwalb; Rechte: dpa

Martin Schwalb soll für den sportlichen Erfolg sorgen

Ein Blick zurück: 2002 startet der HSV Hamburg in der Handball-Bundesliga, übernimmt die Lizenz von Bad Schwartau. Es sollte ein Neubeginn werden, doch erst einmal begannen die ersten Jahre für den HSV nahezu so, wie sich bereits die vorangegangenen Spielzeiten des Vorgängerklubs Bad Schwartau dargstellt hatten: Das Trainer- und Spielerkarussell stand fast nie still und es gab ständige Unruhen im Umfeld, die sogar darin gipfelten, dass der Geschäftsführer im Gefängnis landete.

Hinzu kam die wirtschaftliche Schieflage, die 2004 durch die Deutsche Handball Liga ( HBL) mit Punktabzug sanktioniert wurde. Es fehlte nicht viel zum Zusammenbruch und der Klub wäre genauso schnell von der Bildfläche verschwunden, wie er 2002 gekommen war.

Schnelle Erfolge als Wegbereiter

Doch es kam anders. Der Aufstieg des HSV Hamburg, eine Paradebeispiel für das moderne, schnelllebige Sportgeschäft. Denn heute, gerade einmal fünf Jahre später, zählen die Hanseaten sportlich wie wirtschaftlich zu den stärksten Vereinen - weltweit.

So gewann der HSV im Jahre 2006 den deutschen Pokalwettbewerb ("Final Four") und ein Jahr darauf auch den Europapokal. In der vergangenen Saison belegten die Elbstädter dann den zweiten Platz in der Meisterschaft - die bislang beste Platzierung in der jungen Vereinsgeschichte. Doch ewig will man ganz sicher nicht hinter dem Branchenprimus THW Kiel verharren. Kein vermessener Anspruch, tummeln sich derzeit doch 15 Nationalspieler im Kader.

"Die Rache des Kanonenarms"

Der Verein, insbesondere der allmächtige Präsident Andreas Rudolph, verfolgt ehrgeizige Ziele. Rudolph - nicht wenige sehen seinen Amtsantritt am 1. Januar 2005 als wahres Gründungsdatum des HSV - ist ein finanzstarker Medizintechnik-Unternehmer. Er ist aber nicht nur der extrovertierte Mäzen, als der er oftmals dargestellt wird. Zwar dürfte er schon einige Millionen aus seiner Privatschatulle in die HSV-Kassen transferiert haben, Rudolph ist aber auch dafür verantwortlich, dass mittlerweile professionelle Strukturen und ein deutlich erhöhtes Sponsorenaufkommen vorhanden sind. Keine Frage, der Verein hat sein Image deutlich verändert. Durchschnittlich 8000 Zuschauer strömten vergangene Saison in die heimische Color-Line-Arena, die sich nur einen Sprungwurf vom Stadion der Fußballer befindet.

Die Geschichte des HSV Hamburg ist eigentlich ziemlich kurz - und doch ein bisschen kompliziert: Der Verein wurde 1999 als Handballsportverein Lübeck gegründet und übernahm die Bundesligalizenz des VfL Bad Schwartau, einem Traditionsverein nahe Lübeck, der wirtschaftlich immer wieder an seine Grenzen gestoßen war. Mit dem VfL wurde zunächst eine Spielgemeinschaft gebildet (SG VfL Bad Schwartau-Lübeck). Die aber nur bis 2002 Bestand hatte: Der HSV zog mitsamt der Lizenz nach Hamburg um.

Ständiger Kampf um Aufmerksamkeit

Ausschließlich aus Marketinggründen wurde ein Vertrag mit dem "großen Bruder" Hamburger SV geschlossen, um dessen Abkürzung und das Logo, die berühmte Raute, nutzen zu dürfen. Ein in dieser Form bislang einmaliges Vorkommen in der Geschichte der Handball-Bundesliga. Doch der Handball ist in Hamburg angekommen. Die sportlichen Erfolge der jüngsten Zeit sind aber auch bitter nötig, um in einer Millionenmetropole dauerhaft auf sich aufmerksam zu machen. "Es ist in Hamburg ein ständiger Kampf gegen die anderen Bundesligisten wie die Freezers im Eishockey", sagt Christian Fitzek, der sportliche Leiter des Vereins.

Mit einer aufwendigen Marketingaktion versucht der HSV derzeit, mit seinen (deutschen) Weltmeistern zu werben. So werden Plakate des Rückraumspielers Pascal Hens mit den martialischen Worten "Die Rache des Kanonenarms" versehen. Tempogegenstoß-Spezialist Torsten Jansen wird gar als "rasender Spielteufel" tituliert.

Marcin Lijewski soll zum HSV wechseln

Trotz seines Starensembles wird Trainer Martin Schwalb nicht müde, darauf hinzuweisen, dass seinem Team noch einiges fehle, um zu Meisterehren zu gelangen. Wer oder was das sein könnte, zeigte sich bei der bislang einzigen Saisonniederlage daheim gegen die SG Flensburg/Handewitt. Marcin Lijewski war mit acht Toren der Matchwinner für Flensburg. "Ihn haben wir nicht in den Griff bekommen", so Fitzek, der bisher nur Gespräche mit Lijewski bestätigen möchte. Es gilt als aber bereits als offenes Geheimnis, dass der Pole trotz laufenden Vertrags zum HSV wechseln wird.

Stand: 10.10.2007, 09:12

 

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