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09.02.2010 | 16.57 Uhr

International

Bammer: Punk-Szene, Demos, Sponsoren-Antipathie

"Mein Traum ist der FC St. Pauli"

Sympathien mit der Punk-Szene, Besuche auf Demos, aktiv gegen Sponsoren - der Österreicher Andreas Bammer ist anders als andere Fußball-Profis. In der Jugend des SV Ried aufgewachsen, gelang dem Stürmer beim SC Schwanenstadt in der Zweiten Liga der Durchbruch, als er in 50 Punktspielen 23 Treffer erzielte. Zu Beginn dieser Saison ist er zum SV Ried zurückgekehrt und absolvierte im August sein erstes Bundesligaspiel.

Sie verdienen als Fußballprofi ihr Geld. War das schon immer ihr Traum?

Andreas Bammer: "Ganz und gar nicht. Ich hatte bis in meine späte Jugend hinein eigentlich nie den Wunsch, Fußballprofi zu werden. Ich habe mich früher eigentlich eher für Musik interessiert. Punkmusik. Auf der anderen Seite habe ich mit den Jungs in unserer Kleinstadt aus Spaß Fußball gespielt. Und weil ich von meinem Naturell her ein äußerst ehrgeiziger Mensch bin und immer gewinnen will, bin ich wohl immer besser geworden."

Wann deutete sich an, dass Sie - quasi gegen ihren Willen - Profi werden würden?

Bammer: "Mir wurde mit 16 angeboten, in ein Fußballinternat nach Ried zu wechseln. Das war rund 120 Kilometer von meinem Heimatort entfernt. Mich hat daran gereizt, unseren kleinen Ort zu verlassen, endlich in eine größere Welt zu kommen. Entsprechend habe ich das genutzt und bin in der Schule mit Pauken und Trompeten hängen geblieben. Ich habe einfach andere Sachen als Schule im Kopf gehabt. Ich war Punk und habe gegen faschistische Tendenzen im Land rebelliert."

Österreichs Bundesliga; Rechte: dpa

Red Bull Salzburg - Sturm Graz. Sponsoren bestimmen den Sport.

Sind Sie auf Demonstrationen gewesen?

Bammer: "Ja klar. Ich bin politisch interessiert, das habe ich von daheim mitbekommen. Meine Eltern waren immer eher mitte-links, mein Bruder in unserem 12.000-Einwohner-Ort lange Zeit der einzige echte Punk auf der Straße. Und mit 16, 17 Jahren bin ich dann eben gegen den kürzlich bei einem Unfall verstorbenen Rechtspopulisten Jörg Haider demonstrieren gegangen und habe Eier geschmissen."

Wie wird man bei einem solchen Lebenswandel zum Fußballprofi?

Bammer: "Ich habe halt nebenher auch immer weiter Fußball gespielt und war irgendwann sehr erfolgreich. Als 18-Jähriger habe ich in der Rieder Jugendmannschaft plötzlich 23 Saisontore geschossen. Daraufhin durfte ich bei den Profis des SV Ried mittrainieren. Und habe gemerkt: Mensch, vielleicht kannst du mit Fußball tatsächlich dein Geld verdienen. Vorher hatte ich den Fußball eher als Fan gemocht. Ich war gerne bei den Stehplatzfans, wenn unser Heimatverein gespielt hat."

Klingt nicht, als würden Sie die professionelle Fußballszene verehren

Bammer: "Nein, weiß Gott nicht. Ich war nie derjenige, der sich in den Ligen auskennt. Tue ich heute noch nicht. Ich kenne beileibe nicht alle Spieler aus den europäischen Topligen, schaue Fußball kaum im Fernsehen. Wenn ich nach Hause komme, spielt Fußball eigentlich keine Rolle mehr. Ich treffe mich mit Freunden, das ist mir wichtiger. Und von denen hat kaum einer etwas mit Fußball zu tun."

In Österreich sind Sie als Systemkritiker des Profifußballs bekannt. Was stört Sie an der Profiszene?

Bammer: "Fußball ist für viele Mäzene heute ein Spielzeug. Es sind viele Leute unterwegs, die eigentlich keine Ahnung vom Fußball haben, den Sport aber als Hobby benutzen. Negativer Höhepunkt in Österreich war zuletzt, dass Profiklubs ihre Lizenz für die Erste Liga einfach einem anderen Verein verkauft haben. Das hat mit Sport nichts mehr zu tun. Man kann ja auch keine olympischen Medaillen einfach kaufen."

Aber Profisport funktioniert doch nicht ohne Sponsoren

Bammer: "Ich muss das klarstellen: Ich habe prinzipiell nichts gegen Sponsoren, die ihr Geld sinnvoll in den Fußballsport investieren. Gerade die unterentwickelte österreichische Fußball-Infrastruktur kann Unterstützung gut gebrauchen. Mich stört nur, dass mittlerweile eher die Wirtschaft als der Sport bestimmt, wer in welcher Liga spielt. Mit der Begleiterscheinung, dass ein Fußballspiel immer mehr zur Show verkommt. In der Halbzeit wird in den Stadien eine Disko-Show inszeniert, alles muss Event-Charakter haben. Das hat aber mit Fußball nichts zu tun."

Derzeit spielen Sie wieder für ihren Heimatklub SV Ried in der österreichischen Bundesliga. Was möchten Sie im Fußball noch erreichen?

Bammer: "Mein Lebenstraum wäre, einmal für den FC St. Pauli aufzulaufen. Diesen Klub verehre ich wirklich, bei den dortigen Fan-Foren im Internet bin ich regelmäßig dabei. Die Fankultur dieses Klubs ist auch meine: Es herrscht Lebensfreude, man ist tolerant, der Spaßfaktor spielt eine ganz große Rolle. Wo hat man es sonst schon einmal, dass Schwarz und Weiß, Familien, Punks und Kinder in der Kurve einträchtig und gut gelaunt nebeneinander stehen und Fußball gucken?"

Als österreichischer Erstligastürmer sollten Sie doch tatsächlich das Zeug für St. Pauli haben, oder?

Bammer: "Meine ich auch. Und wissen Sie was? Es gab schon mal eine Chance. Im letzten Winter hat ein Kumpel von mir, der eigentlich in der Motorradbranche arbeitet, mal für mich bei St. Pauli angefragt. Damals war der Kader zu. In diesem Sommer bestand dann noch einmal Kontakt, aber als ich schließlich zum Probetraining eingeladen wurde, hatte ich schon in Ried unterschrieben. Ich werde die Sache aber weiter verfolgen."

Das Gespräch führte Olaf Jansen

Stand: 21.10.2008, 08:00

 

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