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09.02.2010 | 19.29 Uhr

2. Bundesliga

1. FC Köln ist wieder erstklasig

Aufstieg gegen alle Widerstände

Von Christian Mixa

Der 1. FC Köln hat den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga geschafft, allen Turbulenzen zum Trotz - allein das ist bemerkenswert.

Fußballtrainer betonen im Erfolgsfall immer gerne die Leistung der gesamten Mannschaft. Doch beim 1. FC Köln fiel es in dieser Saison schwer, den Aufstieg nicht im Wesentlichen zwei Männern zuzuschreiben: Patrick Helmes und Milivoje Novakovic. Die beiden Ausnahmestürmer, die wohl auch jede Erstliga-Abwehr vor größere Probleme stellen dürften, bildeten das beste Angriffsduo im bezahlten Fußball. Sie kamen zusammen auf fast 40 Tore, damit schossen sie den FC nahezu im Alleingang zurück in die Bundesliga.

Zweifel war konstanter Begleiter

Bei aller Offensivstärke der Kölner - die Zweifel an der Aufstiegsfähigkeit begleiteten den FC fast über die komplette Saison. Obwohl der Kader nach dem - gemessen an den Ansprüchen des Klubs - indiskutablen Platz neun aus der Vorsaison zu Beginn der Spielzeit noch mal kräftig nachgerüstet wurde: Ümit Özat, Youssef Mohamad und Kevin McKenna sollten die Abwehr stärken, Roda Antar und Nemanja Vucicevic für mehr kreative Impulse sorgen.

Hübsche Fassade, kaum tragende Wände

Jubel bei Kölner Spielern; Rechte: dpa

Köln: Erst auf den letzten Metern eine Einheit

Doch das FC-Team wirkte lange wie ein halbfertiges Haus, bei dem der Bauherr eine besonders hübsche Fassade hochgezogen, aber dafür bei den tragenden Wänden gespart hatte. Starke Einzelkönner, die aber partout zu keiner funktionierenden Einheit zusammenwachsen wollten. Die Mannschaft spielte seltsam lethargisch, ließ vor allem nach Führungstreffern regelmäßig die Zügel schleifen und offenbarte dabei erschreckende Schwächen in der Defensive und im Nervenkostüm.

Immer wieder ließ der Aufstiegsfavorit Punkte gegen schwächer besetzte Gegner liegen und wirkte selbst bei Siegen selten souverän. Erst auf den letzten Metern präsentierten sich die Kölner gefestigter und endlich auch als verschworene Truppe - dieses Verdienst muss man auch dem Trainer zuschreiben.

Typisch FC: Hausgemachte Querelen

Christoph Daum hat es geschafft, den Klub durch die vielleicht schwierigste Saison seiner Geschichte zu bringen. Es gab für den FC, mit einem 35-Millionen-Etat angetreten und schon aus finanziellen Gründen zum Aufstieg verdammt, ja kaum etwas zu gewinnen, aber dafür fast alles zu verlieren. Hinzu kamen hausgemachte Querelen, die in Köln schon zur vereinseigenen Folklore gehören: Das Wechseltheater um Nationalspieler Helmes, der trotz einer Kölner Option auf Vertragsverlängerung für die kommende Saison bei Bayer Leverkusen unterschrieb, zog sich über Wochen hin, moderiert vom düpierten Manager Michael Meier.

Goalgetter Novakovic sorgte auch zwischen den Spielen mit Ausflügen ins Kölner Nachtleben für Schlagzeilen. Und als es Frühjahr wurde und die "Geißböcke" sich einfach nicht auf den Aufstiegsrängen festsetzen konnten, schoss die Klubführung um Präsident Wolfgang Overath quer. Overaths Vize Jürgen Glowacz stellte öffentlich Daums Taktik in Frage, der Trainer musste beim Vorstand zum Rapport.

Aufstieg ist Daums Verdienst

Der bei seiner Ankunft als "Messias" gefeierte Daum stand in seinem zweiten Jahr in Köln unter besonderer Beobachtung, spätestens seit eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag publik wurde. Doch bei allem, was man dem in der Vergangenheit oft unberechenbaren, ehemaligen Beinahe-Bundestrainer vorwerfen kann: Von mangelnder Identifikation mit dem FC konnte in dieser Spielzeit keine Rede sein. Daum litt am Spielfeldrand mit den zum Teil schwer erträglichen Darbietungen des Teams. Er haderte mit sich und sprach in seiner Verzweiflung auch schon mal in der Vergangenheitsform: "Ich habe es nicht geschafft, meine Erfolgsmentalität auf die Spieler zu übertragen."

Gleichzeitig lud Daum aber die Verantwortung auf sich - wohl wissend, dass er den Kader selbst zusammengestellt hatte - und verteidigte die Mannschaft gewohnt leidenschaftlich gegen die Kritik von außen: "Ich werde die Spieler nicht zum Fraß vorwerfen." Man muss Daum zugute halten, dass er allen Widerständen und Zweifeln zum Trotz immer am Ziel Aufstieg festhielt. Diesen Glauben demonstrierte er auch nach außen, als etwa die Klubführung um den mächtigen Overath schon auf Distanz ging.

Warten auf klares Daum-Bekenntnis

Die Ausstiegsklausel in Daums Vertrag allerdings bleibt. Bis jetzt hat Daum noch kein Bekenntnis zum FC abgegeben, den er nach wie vor als "wichtigen Teil meines Lebens" bezeichnet. Seine konkrete Zukunft ließ er aber weiter offen: "Meine Mission war, den Klub in die 1. Liga zu bringen. Das habe ich eingelöst, alles weitere muss besprochen werden. In der Stunde des Erfolges werden oft die tollsten Entscheidungen verkündet, und wir sollten jetzt erst einmal durchatmen", sagte Daum weiter. Der Coach besitzt in Köln noch einen Vertrag bis 2010, hat allerdings auch eine Austiegsklausel.

Mindestens genauso spannend ist die Frage, wie der Rückkehrer in Liga eins ohne die Tore von Aufstiegsversicherung Helmes bestehen kann. Von seiner Strahlkraft und seinen Fans gehört der FC ohne Zweifel in die höchste Spielklasse: Welcher andere Klub schafft es schon, an einem nasskalten Novemberabend gegen Erzgebirge Aue fast 40.000 Zuschauer ins Stadion zu locken? Der FC mit seinem eingebauten Großmachtsanspruch schürt seit je her die Emotionen, nicht nur bei seinen Fans, sondern auch bei den Rivalen überall im Land. So richtig kalt lässt dieser Verein jedenfalls keinen.

Stand: 11.05.2008, 17:42

 

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