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09.02.2010 | 18.33 Uhr

Frauenfußball

Erste Zwischenbilanz als WM-OK-Chefin

Steffi Jones seit 100 Tagen im Amt

Des "Kaisers" alte Kleider will Steffi Jones nicht auftragen - doch wenn der Schuh drückt, wird sie sich an Franz Beckenbauer wenden.

Jones und Beckenbauer (links); Rechte: dpa

Steffi Jones und Franz Beckenbauer im Einsatz.

"Noch sind ja keine Probleme da, aber wenn die kommen sollten, dann ist es gut, wenn man weiß, dass einem da der Franz Beckenbauer helfen kann", sagte die 111-malige Nationalspielerin in einem Interview mit dem Deutschen Presse-Agentur dpa. Am Mittwoch (9. April) ist Jones 100 Tage als Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauenfußball-Weltmeisterschaften 2011 im Amt - und sie hat nach eigenen Angaben noch viel zu lernen.

Bei der symbolischen Schlüsselübergabe und der offiziellen Eröffnung des WM-Büros in Frankfurt/Main hatte Beckenbauer, der allgegenwärtige Macher der WM 2006, seiner "Nachfolgerin" Unterstützung zugesagt. Steffi Jones wusste da schon, wie groß seine Fußstapfen sind. Doch die 35-Jährige will ihre eigenen Abdrücke hinterlassen. "Der Vergleich ist eine große Ehre für mich, weil Franz Beckenbauer eben die sprichwörtliche Lichtgestalt ist und wirklich Türen öffnen kann", erklärte sie. "Ich schaffe das auch auf meine Art und Weise - mit meinem Lächeln, mit meinem Charme. Ich komm' damit auch recht weit. Aber wenn's um die großen Dinge geht, braucht man ihn schon."

Eigene Geschichte schreiben

In erster Linie vertraut Steffi Jones jedoch auf ihre Menschenkenntnis - und vor allem auf das erfahrene Team beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die Titelkämpfe der Frauen sollen allerdings kein Abklatsch des Sommermärchens werden. "Wir wollen und können uns nicht mit 2006 vergleichen. Wir können nicht in jedem Spiel ein Stadion mit 90 000 Zuschauern füllen. Die WM 2011 wird ihre eigene Geschichte schreiben", sagte die Frankfurterin.

Die Weltmeisterin von 2003, Europameisterin von 1997, 2001 und 2005 sowie Olympia-Dritte von 2000 und 2004 hat ihre Fußballkarriere gegen eine Büro- und Reisetätigkeit eingetauscht: Blackberry statt Balltraining, Fliegen statt Flanken, Sitzungen statt Spiele. Steffi Jones soll das Gesicht der WM werden - eine Integrationsfigur zudem: Die Tochter einer Deutschen und eines US-Soldaten hat ihr schon bisher bewegendes Leben in einem Buch ("Der Kick des Lebens") niedergeschrieben, jetzt sollen weitere spannende Kapitel dazukommen.

"Ich bin lernfähig"

"Ich weiß, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist", sagte die Ex- Kickerin, deren Bruder Frank im Irak-Krieg beide Beine verloren hat. "Deswegen ist mit bewusst, dass jetzt Aufgaben auf mich zukommen, in die ich erst hineinwachsen muss. Aber ich bin lernfähig." Im Herbst steht bereits das erste Etappenziel an: Mit der Bekanntgabe der Spielorte wird die große WM-Kampagne gestartet. Von den zwölf Bewerbern - Augsburg, Berlin, Bielefeld, Bochum, Dresden, Essen, Frankfurt, Leverkusen, Magdeburg, Mönchengladbach, Sinsheim und Wolfsburg - werden am Ende wahrscheinlich acht Städte plus Berlin als Austragungsort des Eröffnungsspiels übrig bleiben.

Derzeit schart Steffi Jones in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main zwölf OK-Mitarbeiter um sich, bis 2011 soll der Stab auf über 50 Personen aufgestockt werden. Sie lerne aus der neuen Perspektive vor allem "welche Kraft der Fußball hat. Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt".

Stand: 07.04.2008, 11:59

 

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