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Boxen
Erste Titelverteidigung des IBF-Weltmeisters
Sylvester verkrampft aber erfolgreich
Box-Weltmeister Sebastian Sylvester hat seinen im September erkämpften WM-Gürtel zum ersten Mal erfolgreich verteidigt. In Neubrandenburg besiegte der Greifswalder am Samstag (30.01.2010) Herausforderer Billy Lyell aus den USA vorzeitig. Lyells Trainer Jack Loew warf nach 37 Sekunden in der zehnten Runde das Handtuch.
Sylvester nach der ersten Titelverteidigung glücklich, aber nicht ganz zufrieden.
Sylvester, der bei seinem vierten Auftritt in Neubrandenburg zum vierten Mal siegte und von 4.500 Fans frenetisch gefeiert wurde, hatte zuvor ein schweres Stück Arbeit zu bewältigen. "Ich war ein bisschen unter Druck", gab der IBF-Weltmeister nach der freiwilligen Titelverteidigung gegen Herausforderer Billy Lyell zu: "Alle haben heute hier in Neubrandenburg vorzeitig gewonnen, das wollte ich auch. Da bin ich etwas verkrampft." Auch die Freude von Sylvesters Trainer Karsten Röwer über den 33. Sieg im 36. Kampf seines Schützlings war nicht ungetrübt: "Er wollte zu viel mit Gewalt. Er kam nicht so locker wie wir das wollten."
Nach dieser freiwilligen Titelverteidigung muss Sylvester nun in einer Pflichtverteidigung gegen einen schwereren Gegner bestehen. Der beim Weltverband IBF an Nummer drei geführte Russe Roman Karmazin ist offizieller Herausforderer des Champions.
Sylvester: "Der Sieg war so anstrengend wie das Wetter heute"
Der Kampf gegen Lyell begann für Sylvester zunächst wie geplant. Unbeeindruckt vom Wetterchaos in Mecklenburg und rund um das eingeschneite Jahnsportforum zeigte der Weltmeister zunächst eine überlegte, konzentrierte Leistung und kam mit Kontern zum Erfolg. Beide Faustkämpfer boten sich vor den tapfer angereisten Fans einen offenen Schlagabtausch.
US-Boxer Lyell, der mit 21 Siegen aus 28 Kämpfen aus Youngstown in Ohio ins verschneite Deutschland gereist kam, begann den Kampf mit hohem Tempo - und hohem Risiko. Der 25-jährige Schützling von Jack Loew, dem Trainer von US-Superstar Kelly Pavlik, ging sehr offensiv und mit hoher Schlagfrequenz in den Kampf. Doch zunächst blieben die Aktionen des Herausforderers zu ungenau. "Hurrikan" Sylvester konterte die Angriffe gut aus. Eine erste Duftmarke setzte der 29-Jährige bereits in der ersten Runde mit der Rechten. Ab der zweiten Runde blutete bei Lyell ein Cut auf der Nase, die Schläge von Sylvester gingen nun wie Butter durch die Deckung des Herausforderers.
Sylvester verkrampft - Loew wirft Handtuch
Mit zunehmender Zeit ging die Taktik von Sylvesters Coach Röwer, der seinem Schützling Konterboxen und sichere Distanz verordnet hatte, aber verloren. "Du willst zu viel", ermahnte Röwer in den Rundenpausen: "Du bist oft zu dicht dran. Schläge zum Körper nicht vergessen. Du willst es schon wieder krachen lassen." Der Lokalmatador hatte zwar weiterhin die besseren Treffer, durch das hohe Tempo des Weltmeisters wurden die Aktionen aber unsauber und zu eindimensional. Der "Hurrikan" verkrampfte, wollte mit dem Kopf durch die Wand. Für einen Sieg gegen den engagierten aber technisch limitierten Herausforderer reichte es dennoch. Und sogar zu einem vorzeitigen. In der zehnten Runde gab Loew die Hoffnung auf, dass sein Schützling noch den entscheidenden "Lucky Punch" setzen konnte und warf das Handtuch: "Sylvester hat immer Schläge untergebracht. Irgendwann war es zu viel", so der Coach. Und Lyell musste eingestehen: "Er hat mir ständig auf die Seite gehauen. Die Schläge waren ganz schön hart. Das habe ich dann gemerkt." Sylvester sagte nach dem Kampf ausgepumpt: "Der Sieg war so anstrengend wie das Wetter heute."
Lyell: Kurzfristiger Ersatz für Dopingsünder Navascues
Lyell war erst vor einer Woche zum Herausforderer von Sylvester aufgestiegen. Der eigentlich als Sylvester-Gegner ausgewählte Spanier Pablo Navascues war bei einer Trainingskontrolle des Dopings überführt worden und damit aus dem Rennen. Lyell, der bei der IBF an Nummer 14 geführt wurde, sagte dem WM-Fight sofort zu. "Sylvester ist der schwächste der vier Mittelgewichts-Weltmeister", hatte Loew frohlockt. In verschneiten Neubrandenburg musste er erkennen, dass sein Schützling auch gegen den vermeintlich schwächsten Titelträger keine Chance hatte.
Stand: 30.01.2010, 23:29
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