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Boxen
Der Box-Kommentar
Ein gelungener Balanceakt
Von Andreas Witte
Es war eine beachtliche Reifeprüfung, der sich Marco Huck in Ludwigsburg gegenüber sah. Boxen, so sagt man, ist vor allem Kopfsache. Und das galt in besonderer Weise für den Kampf des WBO-Weltmeisters im Cruisergewicht gegen den Interims-Titelträger dieses Verbandes, gegen Ola Afolabi.
Marco Huck, der leicht erregbare, gelegentlich die Nerven und die Linie verlierende Akteur, gegen einen locker-lässig und fast provokativ selbstbewusst auftretenden englischen Sohn nigerianischer Eltern, der seit dem Jahr 2000 in den Trainingshallen Amerikas auch mit den großen der Szene gesparrt hat. Afolabis Weg in den Ring von Ludwigsburg war schwer. Ohne die Protektion eines großes Stalls und immer wieder eigentlich als Opfer auserkoren, hatte er sich erst durch die Sieg gegen den bis dato ungeschlagenen Eric Fields und Ex-Weltmeister Enzo Maccarinelli den Respekt der Konkurrenz und den Platz in der Weltspitze gesichert. Gegen diesen unorthodoxen Mann, der im Ring ständig durch kleine Gesten provoziert und versuchte, seinen Gegner aus dem Konzept zu bringen, war die Disziplin von Marco Huck noch mehr gefordert, als bisher.
Es war ein noch schwererer Kampf in Sachen Taktik als bei der Eroberung des Gürtels gegen Ramirez und Huck war gut beraten, die von Coach Ulli Wegner vorgegebene taktische Linie nicht zu verlassen. Ein Mal in der fünften Runde, war Huck nach Kopfstoß und Aufwärtshaken sichtbar angeklingelt, ansonsten aber beherzigte er, was ihm Ulli Wegner in den Ringpausen gebetsmühlenartig immer wieder eintrichterte: Zumachen, Zumachen! Am Ende hatte er sich den knappen Punkterfolg redlich verdient. Es war, wie es sein Trainer formuliert, wie immer bei Marco Huck: Ein Tanz auf dem Drahtseil, aber am Ende ein gelungener Balanceakt, der Hoffnung macht, dass der Weltmeister Marco Huck sein Lieblingsobjekt der Begierde, den Gürtel, noch länger tragen darf.
Stand: 06.12.2009, 00:50
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