Zur Navigation.
Zum Inhalt.
Weitere Angebote.
Die unterschiedlichen Taktikformationen
Von Johannes Herold
Die Mannschafts-Aufstellung, die Joachim Löw und Co-Trainer Hans-Dieter Flick kurz vor dem Viertelfinal-Match gegen Portugal präsentierten, sorgte bei den Fußball-Fans zuerst für Ver-wunderung, die sich aber schnell in Be-wunderung verwandelte. Denn die Trainer hatten sich für eine Umstellung der Taktik innerhalb der Mannschaft entschieden.
Eine riskante Angelegenheit: Üblicherweise geht ein Trainer mit der Formation in ein Spiel, bei der sich die Mannschaft wohlfühlt, die die Mannschaft eintrainiert hat und kennt. "Wir mussten gegenüber den vorangegangenen Spiel etwas ändern", erklärte Joachim Löw. Ihm kam dabei zugute, dass mit Torsten Frings ein Stammspieler verletzt war, der eine Schlüsselposition besetzt: die klassische "Sechs" vor der Abwehr, von der aus der Spieler das Spiel mitentwickeln soll. Da sich Frings zusammen mit Michael Ballack die Mittelfeld-Arbeit üblichlicherweise teilte und neben den beiden noch zwei "Läufer" rechts und links aufgeboten wurden, kann man von einem Vierer-Mittelfeld sprechen. Dahinter: die Vierer-Abwehrkette, vorne im Angriff zwei Stürmer: das klassische 4-4-2-System.
Jetzt aber musste Torsten Frings ersetzt werden, der in den Vorrundenspielen gut nach hinten arbeitete, dem aber im Offensiv-Spiel nicht allzuviel gelang. Weil zudem das portugiesische schnelle Spiel durch die Mitte unterbunden werden sollte, besetzte Löw Frings' Position doppelt: mit Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes. Michael Ballack wusste sich also abgesichert, konnte sein starkes Offensiv-Spiel entfalten: "Auf dieser Position komme ich natürlich öfter in den gegnerischen Strafraum und zum Abschluss", sagte Torschütze Ballack hinterher. Gewissermaßen Leidtragender war Miroslav Klose. Der Stürmer war Alleinunterhalter im Angriff und musste enorm viel laufen. "Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski oder auch Michael haben mich ja immer unterstützt", resümierte Klose, der sich ebenso wie die meisten seiner Mitspieler diese Taktik auch im Halbfinale vorstellen kann.
DFB-Chef-Ausbilder Erich Rutemöller war begeistert von Löws Veränderung: "Das war eine ganz tolle Lösung, hängt aber auch ab von den Spielern, die ein Trainer zur Verfügung hat." Rutemöller geht in seiner Analyse sogar noch ein Stück weiter: "Löw und Flick haben das 4-5-1-System Spielen lassen, aber wenn man genau ist, nur, wenn der Gegner in Ballbesitz war. Bei eigenem Ballbesitz war es mehr ein 4-2-3-1, denn Rolfes und Hitzlsperger hatten eindeutig Defensiv-Aufgaben." Für das Spiel nach vorne waren Ballack, Schweinsteiger und Podolski zuständig, vorne ackerte Klose.
Dass Joachim Löw ankündigte, gegen die Türken eventuell wieder mit der 4-4-2-Taktik zu arbeiten, hält Rutemöller für vernünftig: "Man muss sehen, wie weit der Gegner hinten drinsteht, ob er mehr über die Flügel oder die Mitte kommt, danach muss man seine Taktik ausrichten."
Und dann fügt Erich Rutemöller, der die Creme-de-la-Creme der deutschen Fußball-Lehrer unter seinen Fittichen hatte und hat, etwas hinzu, was bei aller Taktik-Diskussion unterzugehen droht: "Entscheidend für den Sieg waren meiner Meinung nach wettkampf-psychologische Elemente: Die Jungs wussten, dass es um alles ging, da hat die Einstellung gestimmt, der Wille, die Bereitschaft, für den anderen zu kämpfen. Meiner Meinung nach wird das mit der Spiel-Philosophie manchmal etwas überbewertet." Sollte die Fußballer-Weisheit doch stimmen, die da lautet: "Fußball ist, wenn 22 Leute hinter dem Ball herrennen, und Deutschland gewinnt?"
Stand: 21.06.2008, 18:31
Aus dem geplanten "Gipfelsturm" wurde nichts: Finalgegner Spanien war zu stark. [mehr]
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |