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Deutsches Team

Schweinsteiger war für Portugal gut gerüstet

Mental-Training mit der Kanzlerin

Von Frank Menke, Tenero

Nach seinem Platzverweis gegen Kroatien saß Bastian Schweinsteiger im letzten Gruppenspiel gegen Österreich auf der Tribüne - und plauderte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Gespräch hatte Folgen - fürs Euro-Viertelfinale gegen Portugal.

Bastian Schweinsteiger, Angela Merkel; Rechte: dpa Bild großZwei, die sich verstehen

Mit einem Treffer und zwei Torvorlagen feierte Bastian Schweinsteiger ein beeindruckendes Comeback. Nach der Partie gegen die Portugiesen verriet er, dass die Kanzlerin in die Belange der deutschen Nationalmannschaft und seine persönlichen hinein regiert: "Sie hatte mir gesagt, was ich tun muss. Das war ehrlich so. Sie hat gemeint, dass ich nicht wieder so eine Dummheit machen und wieder so spielen soll wie damals." Mit "damals" hatte Merkel wohl das Spiel um Platz drei gegen Portugal bei der WM 2006 gemeint. In dem kleinen Finale hatte der Münchener zwei Tore geschossen und Abwehrspieler Petit nach einem Schweinsteiger-Freistoß ein Eigentor fabriziert.

Freistoß auf den letzten Drücker

"Wenn die Bundeskanzlerin dir was sagt, dann muss man das tun", verkündete der 23-Jährige mit lausbübischem Grinsen nach dem Euro-Viertelfinale. Wie vom Bundestrainer gefordert löste er seine Bringschuld ein und wurde zum "Mann des Spiels" gekürt. Dabei wäre er bei seiner ersten Freistoßvorlage, nach der Klose zum 2:0 einköpfte, fast zu spät gekommen. Weil es angefangen hatte zu regnen, wechselte er gerade seine Noppen-Schuhe, als der Schiedsrichter nach einem Foul das Spiel unterbrach: "Ich hatte ein bisschen Angst, dass ich nicht rechtzeitig wieder rein komme. Ich habe es dann Gott sei dank noch geschafft", berichtete er.

Flicks Wette mit Löw

Teilzeit-Chefcoach Hansi Flick hatte doppelten Grund zur Freude, dass zwei der deutschen Tore nach Schweinsteiger-Freistößen gefallen waren: "Ich hatte eine kleine Wette laufen mit Jogi Löw, dass wir heute ein Standardtor machen", sagte er. Nachdem es zwei geworden sind, macht er sich nun Hoffnung darauf, dass sein Gewinn verdoppelt wird. Den Wetteinsatz verriet Flick allerdings nicht: "Das bleibt unser Geheimnis."

"Ich weiß, was ich kann"

Kein Geheimnis machte er daraus, wie er und Joachim Löw Schweinsteiger nach seiner Roten Karte fürs Viertelfinale motiviert hatten. Sie packten ihn beim Ehrgefühl, sagten ihm, dass es nicht sein könne, dass er die Mannschaft so hängen lasse. Zufrieden bilanzierte Flick nach dem Schlusspfiff: "Das Ergebnis davon war, dass er gehalten hat, was er verprach, nämlich ein großes Spiel zu machen. Er ist zu Recht Man of the Match geworden."

Tatsächlich hatte Schweinsteiger reuig angekündigt, viel Schwung in das Spiel gegen Portugal zu bringen. Dass ihm das gelang, führte er auch darauf zurück, dass er das Vertrauen des Trainerstabs und der Mannschaft genießt. Beide hätten ihm bei seinem Vorhaben sehr geholfen, so dass er zu altem Selbstbewusstsein zurückgefunden habe: "Ich weiß, was ich kann", sagte er.

Vom Verlierer zum Helden

Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger; Rechte: dpa Bild großEuphorie in Schwarz-Rot-Gold

Nach den Euro-Vorrundenspielen schien der Blondschopf schon zum großen Verlierer im deutschen Team zu avancieren, nun ist er der strahlende Held. Die Erleichterung über die Kehrtwende war ihm deutlich anzumerken. Schon lange nicht mehr hat man ihn so ausgelassen und unbekümmert in der deutschen Fankurve feiern gesehen wie nach dem Einzug ins Halbfinale. Euphorisiert setzte er sich einen Deutschland-Hut auf, busselte seine Freundin Sarah ab, nahm die Gratulationen von Freunden und Bekannten entgegen, ballte immer wieder die Siegerfaust und führte mit Kumpel Lukas Podolski Veitstänze auf. Es waren Szenen, die an das Sommermärchen bei der WM vor zwei Jahren erinnerten. Und womöglich ist das 3:2 gegen Portugal die Initialzündung für eine Neuauflage bei der Euro.

Stand: 20.06.2008, 08:01

 

 

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