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Deutsches Team

3:2 im Viertelfinale - Schweinsteiger überragt

Deutschland entzaubert Portugal

Von Jens Mickler

Der angekündigte Gipfelsturm der deutschen Mannschaft bei der Euro in den Alpenländern Österreich und Schweiz hat einen ersten Höhepunkt erreicht. Die DFB-Elf bezwang Portugal im Viertelfinale mit 3:2 und zeigte damit, dass sie nun auch endlich im Turnier angekommen ist.

Schweinsteiger auf dem Weg zum 1:0; Rechte: dpa Bild großSchweinsteiger auf dem Weg zum 1:0.

Überragender Mann auf deutscher Seite: Bastian Schweinsteiger, der das erste Tor selbst erzielte und die beiden weiteren Treffer durch Miroslav Klose und Michael Ballack per Freistoß vorbereitete. Ausgerechnet Bastian Schweinsteiger: Schon beim letzten Aufeinandertreffen beider Teams im Juni 2006, dem Spiel um Platz drei bei der WM, war der Bayern-Akteur an allen deutschen Toren beteiligt und diesmal wieder überglücklich: "Heute hat man gesehen, dass wir Fußball spielen können. Wir haben die in meinen Augen beste Mannschaft aus dem Turnier gekegelt", sagte "Schweini" nach seinen Geniestreichen.

Der Münchner war einer von drei Neuen in der deutschen Startelf, denn schon vor dem Anpfiff war der Plan, Torsten Frings trotz seines Rippenbruchs einzusetzen, nicht aufgegangen. Dafür zauberte Bundestrainer Löw eine dicke Überraschung aus dem Hut: Für Frings stand Simon Rolfes in der deutschen Startelf. Der Leverkusener bildete neben Thomas Hitzlsperger als "Doppelsechs" das defensive Mittelfeld. Michael Ballack hatte mehr Freiheiten in der Spielgestaltung. Die taktsiche Meisterleistung war auch für den Kapitän der Schlüssel zum Erfolg. "Entscheidend war heute, dass wir etwas verändert haben. Natürlich waren wir zuvor eingespielt, aber Leidenschaft, Kreativität und Ideen haben in den ersten Partien gefehlt. Heute waren sie wieder vorhanden", meinte Ballack.

Umstellungen zeigten Wirkung

Das Rezept der Deutschen ging jedenfalls voll auf: Die Portugiesen konnten ihr gefürchtetes Offensivspiel nicht aufziehen. Stattdessen bestimmte die deutsche Mannschaft das Geschehen - und wie. Zwar gehörte den Portugiesen noch die erste Chance durch Moutinho (20.), doch nach diesem Weckruf schlugen die Deutschen doppelt zu. Zunächst verwandelte Schweinsteiger eine mustergültige Podolski-Flanke am kurzen Pfosten stehend zum 1:0 (22.). Vier Minuten später zirkelte eben jener Schweinsteiger einen Freistoß genau auf den Kopf von Klose, der mit seinem 40. Länderspieltor die Führung ausbaute.

2:0 stand es nach nicht einmal einer halben Stunde - da kannte auch die Freude bei Löw keine Grenzen. Jubelnd schloss der Bundestrainer DFB-Chefscout Urs Siegenthaler in die Arme und zwar hoch oben unter dem Stadiondach des Basler St. Jakob Parks. Dorthin hatte ihn die UEFA-Kommission nach seiner Undiszipliniertheit verbannt. Seine Mannschaft war gegenüber der enttäuschenden Vorrunde nicht wiederzuerkennen.

Geschockte Portugiesen

Jubelnde deutsche Spieler; Rechte: dpa Bild großBallack und Rolfes drücken Klose.

Die so hochgelobten Portugiesen reagierten dagegen zunächst geschockt auf den deutschen Doppelschlag. Gerade vor dem gegnerischen Tor wirkten sie ungewohnt gehemmt - allerdings nur bis zur 40. Minute. Da hatte sich Cristiano Ronaldo gegen Per Mertesacker durchgesetzt. Ronaldos Schuss konnte Jens Lehmann noch glanzvoll parieren. Beim Nachschuss von Nuno Gomes war der deutsche Keeper jedoch machtlos.

So ging Deutschland nach dieser begeisternden ersten Halbzeit nur mit knappen Vorsprung in die Kabine. Im zweiten Durchgang hieß die Devise "Konzentriert und kontrolliert". Dabei hatte Torwarttrainer Andreas Köpke zur Pause gewarnt: "Wir dürfen uns nicht ganz so weit zurückziehen und werden versuchen, das dritte Tor zu machen."

Zittern in den letzten Minuten

Darauf brauchten Köpke und vor allem Co-Trainer Hans-Dieter Flick als verantwortlicher Mann und Löw-Stellvertreter auf der deutschen Bank nicht allzu lange zu warten, denn in der 60. Minute war der alte Abstand wieder hergestellt - dank Michael Ballack. Duplizität der Ereignisse: Wieder hatte Schweinsteiger einen seiner gefürchteten Freistöße von der linken Seite getreten, den der Kapitän zum 3:1 einköpfte wie zuvor Miroslav Klose. "Ihr könnt nach Hause fahr'n", skandierten nun die deutschen Fans.

Etwas zu früh gefreut, denn es sollte noch einmal eng werden für die deutsche Mannschaft. In der 87. Minute fand Helder Postiga nach Nani-Flanke die Lücke in der deutschen Deckung und köpfte zum 2:3 ein. Die Portugiesen warfen in den verbleibenden Minuten alles vorne, aber es sollte nicht mehr reichen. Mit Glück und Geschick retteten Ballack und Co. den Vorsprung über die Zeit und machten vor allem ihren "verbannten" Trainer happy: "Wir haben heute zu alter Stärke zurückgefunden und sind wieder mit Leidenschaft, Disziplin und Ordnung zu Werke gegangen." Damit ist klar: Das Halbfinale kann kommen. Joachim Löw darf dann wieder auf der Bank Platz nehmen.

Stand: 19.06.2008, 22:30

 

 

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