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Vorletztes Euro-Testspiel
Noch fehlt der deutschen Nationalmannschaft der letzte Schliff für die Europameisterschaft. Vor allem die Organsation der Defensivabteilung dürfte Bundestrainer Joachim Löw noch Kopfschmerzen bereiten. Gegen Weißrussland kamen die Adlerträger in Kaiserslautern nicht über ein 2:2 hinaus.
Überraschend stand David Odonkor, der zuletzt als möglicher Streichkandidat in Löws 26er-Kader gehandelt wurde, in der Startelf. Für den angeschlagenen Marcell Jansen nahm der Stuttgarter Thomas Hitzlsperger die für ihn ungewohnte Position auf der linken Außenverteidigerbahn ein. Heiko Westermann, eigentlich die Alternative für Jansen, war am Nachmittag kurzfristig abgereist, weil bei seiner schwangeren Frau die Wehen eingesetzt hatten. Doch Hitzlsperger fühlte sich auf der Außenbahn zunächst alles andere als unwohl: Schon nach fünf Minuten schaltete er sich erstmals in den Angriff ein und prüfte mit einem kräftigen Schuss den weißrussischen Schlussmann Chomutowski.
Deutschland danach weiter kontrolliert, die berühmt-berüchtigte russische Anfangsoffensive blieb aus. Das WM-Duo Podolski/Klose sorgte in der 10. Spielminute für die frühe deutsche Führung. Lukas Podolski schob von halbrechts durch die Gasse auf Miroslav Klose, der umkurvte - allerdings aus einer Abseitsposition heraus - den Keeper und schoss lässig ein. Joachim Löws Truppe danach weitgehend kontrolliert. Doch speziell die Defensive wirkte bei den schnellen weißrussischen Entlastungsangriffen noch löchrig. Auch Keeper Jens Lehmann wirkte bei Schüssen und Ecken nicht immer souverän und strahlte wenig Ruhe aus.
Dennoch traf zunächst erneut die deutsche Mannschaft. In der 20. Spielminute rechtfertigte David Odonkor seine Aufstellung in der Startelf. Ein schneller Antritt auf der rechten Seite, eine Flanke nach innen - nur stand diesmal nicht Oliver Neuville, sondern der Weißrusse Korytko in der Mitte, der den Ball ins eigene Netz beförderte. Das Tor sorgte allerdings keineswegs für Ruhe in der deutschen Hintermannschaft: Immer wieder nutzten die Weißrussen die vorhandenen Lücken, kurz vor dem Halbzeitpfiff verhinderte Lehmann mit einer Glanzparade gegen Wjatscheslaw Hleb den eigentlich verdienten Anschlusstreffer.
Zur Pause startete Joachim Löw die letzte Runde seines "Euro-Castings". Der Schalker Jermaine Jones kam für Kapitän Michael Ballack in die Mannschaft, der 19-jährige Marko Marin feierte sein Nationalmannschaftsdebüt. Der Gladbacher kam für Bastian Schweinsteiger, den Putsilo mit einem rüden Foul am Knöchel getroffen hatte. Nur acht Minuten nach der Pause tauschte Löw auch den Sturm aus: Für Klose/Podolski durften Oliver Neuville und Patrick Helmes im Sturm ran. Vor allem Jones sorgte zunächst für frischen Wind in der Offensive und präsentierte sich in den ersten Minuten nach dem Wechsel als starker Passgeber.
Danach folgte fast ein Spiegelbild der ersten Halbzeit. Nach vorne fehlte das letzte Quentchen, hinten herrschte Sorglosigkeit vor. In der 61. Minute nutzten die Weißrussen schließlich die Lücken in der Vierer-Abwehrkette. Bulyga durfte alleine auf Lehmann zustürmen und ließ der deutschen Nummer eins keine Chance. Zu diesem Zeitpunkt mehr als verdient. Die deutschen Einwechselspieler wirkten kaum so, als kämpften sie um einen EM-Stammplatz.
Piotr Trochowski kam nach 68. Minuten schließlich für Torsten Frings. Und plötzlich schienen sich die Reservisten darauf zu besinnen, dass in Mittelfeld und Sturm nun keine "alten Hasen" mehr zur Seite standen. Und fortan lief's bei den Jungstars. Marin, Jones, Trochowski, Helmes - sie liefen, schossen, dribbelten und wirbelten die weißrussische Abwehr einige Mal durcheinander.
Doch in der Abwehr sah es weiter düster aus. Erneut Bulyga kam nach 88 Minuten frei zum Schuss. Der Weißrusse zog ab - und sein Ball an Lehmann vorbei ins Netz zum verdienten 2:2-Ausgleich. Auch beim zweiten Gegentor wirkte der Keeper alles andere als sattelfest.
Am Ende bleibt dennoch die Erkenntnis: Die Einwechselspieler sorgten zumindest zeitweise mit Offensivfußball für beste Stimmung auf den Rängen. Für Bundestrainer Joachim Löw und sein Team wird die Entscheidung "Wer muss gehen?" nicht leichter. Die vermeintlichen Wackelkandidaten Odonkor, Trochowski und Helmes spielten stark, die Gladbacher Neuville und Marin überzeugten durch fast blindes Verständnis. Am Mittwoch (28.05.08) um 13 Uhr wollen die DFB-Verantwortlichen die drei Streichkandidaten benennen.
ebs | Stand: 27.05.2008, 19:39
Aus dem geplanten "Gipfelsturm" wurde nichts: Finalgegner Spanien war zu stark. [mehr]
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |